Dienstag, 19. November 2013

[Buch-Rezension] Der Augensammler

  Der Augensammler
Sebastian Fitzek
Taschenbuch: 441 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN: 9783426503751

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Buchrücken:
Er spielt das älteste Spiel der Welt:
Verstecken.
Er spielt es mit deinen Kindern.
Er gibt dir 45 Stunden, sie zu finden.
Doch deine Suche wird ewig dauern.




Meinung:

"Es gibt Geschichten[...], die niemals begonnen haben und auch niemals enden werden, denn sie handeln vom ewigen Sterben."            (Seite 439)

 Mittlerweile dürften meine Leser gemerkt haben: Ich gehöre zu den zahlreichen Anhängern der Fitzekschen Werke. Warum nun genau dieses Buch so lange auf meinem SuB lag, kann ich gar nicht genau sagen. Nur eines vorweg: Wow.

Wir begleiten unseren Protagonisten Alexander Zorbach, dessen Namen sicherlich bei so manch einem ein Glöcklein läuten lässt. Wir begleiten ihn und unsere Protagonistin Alina Gregoriev auf der Suche nach Tobias und Lea Traunstein, einem Zwillingspäärchen, das für die nächste Spielrunde des Augensammlers auserwählt wurde. Und während wir uns einen Wettlauf gegen die Zeit liefern, übersehen wir dabei das wichtigste Gut unseres Lebens...

Mit diesem Thriller hat es der werte Herr Fitzek (mal wieder) geschafft und mich an das Buch gefesselt. Trotz der Warnung unseres Protagonisten direkt zu Beginn, wir sollen nicht weiterlesen. Ich war noch nie gut darin, Ratschläge anzunehmen...

Wie bereits erwähnt: Unser Protagonist ist Alexander Zorbach, der mittlerweile für eine Zeitung arbeitet und sich an die Fersen des Augensammlers heftet, während er selbst immer mehr zum Tatverdächtigen wird.
So haben wir im einen Moment noch die zwar verwirrende, aber zu meisternde Situation, zu einem Tatort "gerufen" zu werden. Doch ab diesem Moment wird es von Sekunde zu Sekunde schwieriger, den nächsten Schritt - und auch alle vorangegangenen - zu erkennen.
Der gute Zorbach hat mir unheimlich Leid getan in so vielen Situationen. Ich weiß eines: Ich hätte nicht tauschen wollen!
Für mich hat Zorbach nur teilweise nachvollziehbar gehandelt. Seine Schritte an sich waren alle absolut logisch und nachvollziehbar, allerdings hätte ich ein paar elementare Dinge anders gemacht... Vermute ich. Sowas ist ja schwer zu sagen, wenn man nicht selbst in der Situation steckt...

Zu unserer Protagonisting Alina Gregoriev: Wow. Die gute Dame ist blind und ich bin erstaunt, mit welchem Feingefühl der Herr Fitzek hier herantritt. Ich finde es super, dass er sich vorher so intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt und sich auch mit Betroffenen unterhalten hat, um die gängigen Klischees zu vermeiden. An dieser Stelle: Ein großes Lob hier!
Alinas Gabe spielt eine wichtige Rolle in diesem Buch und kann vielleicht für den ein oder anderen ein wenig zu viel sein bzw. das Buch ins absolut unrealistische ziehen. Bei mir war das aber nicht der Fall.
Wir erfahren einiges über Alina: Wie sie ihr Augenlicht verlor, wie sie ihren Alltag meistert... Und, dass sie eine unheimlich loyale Person ist, denn obwohl die Situation alles andere als schön ist, bleibt sie bei unserem Protagonisten.

Die Geschichte verläuft angenehm geradlinig, wir haben einen klaren roten Faden, der sich durch das Buch zieht, so dass das Buch einfach unheimlich angenehm zu lesen ist - der grandiose Schreibstil erleichtert das Ganze noch zusätzlich.

Zugegebenermaßen: Ich hatte das Ende vorausgeahnt. Als mir noch ungefähr 120 Seiten blieben, hatte ich den ersten, groben Verdacht, der sich immer weiter verfestigen sollte.
Nichtsdestotrotz war das Ende absolut genial. Kennt ihr das, wenn ihr das Gefühl habt, eure Augen wollen sich überschlagen, so schnell versucht ihr, zu lesen, voran zu kommen, um jeden Buchstaben alsbald zu verschlingen? So ging es mir auf den letzten 60 Seiten. Einfach wundervoll, so muss ein Buch sein!

Wer also Thriller mag, wird das Buch lieben!

Kommentare:

  1. Moshi moshi Nezumi.
    Den Lesern steht natürlich immer der Luxus zu, eine Situation aus der Ferne des heimeligen Ohrensessels beurteilen zu können. Wir als Beobachter - mitunter ist Lesen auch deshalb von solcher Beliebtheit.
    Das Publikum selbst vor den bevorstehenden Schrecken zu warnen, den Effekt nutzte auch Hitchcock bei Gelegenheit. Wenn auch exakt v o r dem Grausen.

    Gute Literatur wird von Erfahrungen genährt. So betrachtet ist solide Recherche das Alpha & Omega der Vorarbeit. Ansonsten man/frau schnell in Klischees versackt. Und Alina soll ja mehr als nur Sidekick des Helden sein.

    Sich überschlagende Zeilen der letzten 60 Seiten - Vorteil für den Film, sind doch Bilder schneller als die Worte eines Satzes. ;-)

    bonté

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    1. Ohayou~
      Dass die Realität immer anders aussieht, ist mir (leider) bewusst und wurde mir erst heute Nacht wieder vor Augen geführt. Verdammt.

      Natürlich ist der Film schneller - aber bei Weitem nicht so anregend. Schließlich entspringt meinem Kopf beim Lesen ja auch ein Film ;)

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