Mittwoch, 11. Dezember 2013

Stallleben

Hallo ihr Lieben,

was ich heute zu schreiben habe, lastet gerade schwer auf mir und ich habe das Gefühl, es an möglichst vielen Stellen teilen zu müssen, um dieses "Gewicht" irgendwie weg zu bekommen. Aufschreiben hilft mir bei so etwas meist mehr, als es das Sprechen tut, denn dann ist es wirklich "weg" - kennt ihr das?

Es ist nicht mal zwei Monat her, seit meine Shari gestorben ist - sie fehlt mir immernoch so unheimlich, das es mir noch immer schwer fällt, darüber zu sprechen und ich regelmäßig in Tränen ausbreche.

Die Zeit seither war sehr sehr turbulent. Wir wissen, was Shari hatte - es nennt sich "Botulismus" - eine Vergiftung hervorgerufen durch Bakterien. Diese Bakterien gelangen durch verunreinigtes Futter in den Pferdekörper. Die Symptome erinnern stark an eine Kolik - die Tiere wollen fressen und saufen, können aber nicht mehr, weil die Muskulatur gelähmt wird. Letztendlich stirbt das arme Tier - sofern es nicht vorher euthanasiert wird - an Herzversagen oder es erstickt. Ich will mir nicht vorstellen, wie schrecklich meine Shari hat leiden müssen. Ich will nicht daran denken.

Blöderweise konnten - können - wir davon ausgehen, dass nicht nur Shari von diesem verfluchten Heuballen bekommen hat. Demnach sind wir die letzte Zeit sehr sehr darauf bedacht, auch nur die leisesten Anzeichen wahrzunehmen.
  Und wie sollte es auch anders sein? Natürlich haben sich die Anzeichen gehäuft. Neben Shari  - die leider daran verstarb - hat es auch noch einige andere Pferde bei uns im Stall erwischt, die zum Glück überlebt haben.  Trotzdem ist gerade jeden 2. oder 3. Tag der Tierarzt da.

Erst letzte Woche hatten wir Cle ("Zele") im Verdacht, ebenfalls erkrankt zu sein. Sie lag den ganzen Tag und hat sich dann beim Reiten auch einfach hingelegt, als hätte sie nicht mehr genug Kraft, um zu laufen.

Das waren sehr sehr anstrengende Wochen, eine sehr angespannte Atmosphäre im Stall. Allmählich wird es wieder etwas besser.

Gestern war ich wieder im Stall. Eine wunderbare Atmosphäre, endlich mal wieder. Alle sehr locker, freundlich... Da macht es doch Spaß! Reiten durfte ich Rudi - oh weh. Der giftet doch immer so in der Box... Aber nein! Gar nicht - so ein Lieber. Nur am Bauch will er nicht gern geputzt werden, aber ansonsten war er unheimlich brav.  Beim Reiten ist er ein wenig zickig - man muss ja erstmal probieren, ob der Mensch da oben es auch ernst meint! Aber mit ein wenig Durchsetzungsvermögen ist das alles machbar und wir haben uns ganz wacker geschlagen. Wir wurden auch beide gelobt - das tut gut ;)
Nach dem Reiten und nachdem ich Rudi ins Bett gebracht hatte, habe ich Cles Box gemistet. Ich war gerade am Einstreuen, als ich von draußen nur noch "BLUE!" und dann Schreie hörte.
  Ich habe sofort alles stehen und liegen gelassen und bin zum Platz gelaufen.
Ein kurzer Blick, um sich Übersicht zu beschaffen - Pferde sind total nervös und tänzeln, keiner sitzt mehr auf den Pferden drauf.
  Am Boden liegt G., schreiend und bewegt sich nicht. J. kniet bei ihr. Wir haben sofort die Pferde raus und in die Boxen gebracht. Als ich dann zurück zum Platz kam, hat G. schon wieder versucht, sich zu bewegen, aber weiterhin geschrien. J. war weiterhin bei ihr, zusammen mit zwei anderen Mädels.
  J.´s Freund hat dann direkt den Krankenwagen gerufen und ich habe mich mit der Warnweste an die Straße gestellt, um den RTW in Empfang zu nehmen. 13 Minuten später war der auch da und nach einer kurzen Erklärung, was passiert ist, haben sich die beiden Rettungssanitäter um J. gekümmert, die mittlerweile auf dem Putzplatz lag, auf zwei Pferdedecken wegen dem kalten Boden und zugedeckt mit einer weiteren. Nachdem die Sanis da waren, habe ich mich brav in die Ecke gestellt und nichts getan. Schrecklich. Ich wollte gern helfen, wusste aber auch, dass ich nur im Weg gestanden hätte und so habe ich mich gezwungen, die Füße ruhig zu halten.
  G. wurde dann in den RTW gebracht, die noch einen Notarzt angefordert haben... Für mein Empfinden standen sie ewig auf dem Hof... Mindestens 30 Minuten. Und haben sie versorgt. Zum Glück hat man sie direkt mit Schmerzmitteln versorgt und schlafen geschickt. Besser ist es...

Nachdem der RTW dann "endlich" weg gefahren ist, haben wir beschlossen, nur noch den Stall fertig zu machen. Wir waren (und sind) alle sehr durch den Wind und auch die Tiere haben deutlich gespürt, dass etwas nicht stimmt. Es hätte keinen Sinn gehabt, noch groß etwas arbeiten zu wollen.

Ihr seht, bei uns im Stall wird es nicht langweilig - wobei ich gegen ein wenig "Eintönigkeit" gerade nicht mal etwas hätte.

Wie wäre es denn, mal eine Woche weder Tierarzt noch Krankenwagen am Hof zu haben? Das wäre doch mal richtig innovativ, liebes Schicksal! Denk doch mal drüber nach!

Kommentare:

  1. Ohje. Harte Zeiten. So liest sich das zu mindest. Kenn mich nicht so aus aufm Hof, aber üblich scheint es nicht zu sein, alle zwei Tage den Arzt dazuhaben.

    Dein Verlust, ein geliebtes Tier zu verlieren, is immer hart und wird dich auch noch lange verfolgen. Kenne das Gefühl zu gut. *Dich in den Arm nehm*
    Gerade bei einem Pferd, das man jahrelang gepflegt hat.
    Und dann noch solche Situationen, bei denen man sich völlig hilflos vorkommt. Das machst echt schlimm.

    Ich wünsche dir/euch alles Gute und hoffe ihr übersteht diese "Epidemie" (kann man davon sprechen?) ohne weitere Verluste.

    LG Sassi :*

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    1. Danke für die lieben Worte, Liebes. Bisher verläuft zumindest die Epidemie einigermaßen glimpflich, wenn auch sehr sehr teuer...

      Ich bin einfach froh, wenn es besser wird...

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  2. Oje das hört sich aber gar nicht gut an bei euch, abgesehen von dem Erfolg mit Rudi natürlich! Dann betrachtet das heranrückende 2014 doch am besten wie einen ersehnten Neuanfang =). Alles wird gut!

    LG
    Anja

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    1. Danke Anja, das versuche ich :) Viel schlechter kann es in 2014 ja auch nicht mehr weitergehen ;)

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  3. Achje... das klingt ja wirklich alles sehr..... aufreibend und so... hoffe, dass ihr das bald alles wieder ein wenig ruhiger habt und das auch ohne langeweile (wo ich stark von ausgehe)...
    Aber so viel auf einmal..... das kann man irgendwann gar nimmer richtig verarbeiten.. sag ich mal so....
    *knuddler*

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    1. GEnau so ist es auch. Irgendwann ist einfach das Fass voll und dann kann man nicht mehr weiter.. Es geht einfach manchmal zu viel auf einmal schief ^^" *Drück*

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