Donnerstag, 30. Januar 2014

[Buch-Rezension] Mami, ist das vegan?

   Mami, ist das vegan?
Jumana Mattukat
Taschenbuch: 220 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN: 9783899017182

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Buchrücken:
Eine Mutter wird vegan. Was geschieht mit dem Rest der Familie? Wohin führt es sie, wenn ein Mitglied sein Essverhalten konsequent ändert?
Ihr Mitleid mit Tieren ist der Grund, warum die Autorin beschließt, sich vegan zu ernähren. Dabei ist sie hin- und hergerissen: Auf der einen Seite stehen die erschütternden Ergebnisse ihrer Recherche zu Massentierhaltung, Milch- und Fleischproduktion sowie ihr Bedürfnis, ihre Kinder gesund zu ernähren. Auf der anderen Seite steht der Wunsch, Teil einer ganz normalen Familie zu sein und nicht ausgegrenzt zu werden. Aus diesem Zwiespalt ist ein ehrlicher Erlebnisbericht entstanden, der von Perfektionismus und Ausnahmen, vom Stehen zu sich selbst und den eigenen Werten, von Kompromissen und dem Wunsch nach Harmonie am Esstisch erzählt.

Meinung:
Zunächst einmal vielen lieben Dank an Blogg dein Buch, die mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben.
Bekannterweise lebe ich selbst seit mittlerweile über einem Jahr vegan. Wie bei der Autorin so haben auch bei mir Informationen und eine gute Freundin die Überzeugung tief in mir verankert, dass auch ein vegetarisch gefüllter Kochtopf nicht "genug" ist. Für mich war die Umstellung relativ einfach - ich wollte wissen, wie es anderen ergeht und da kam dieses Buch gerade recht.

Das Buch startet mit einem Vorwort von Ruediger Dahlke. Ich mag Vorwörter, ich mag sie wirklich. Doch selbst für mich, die ich schon vegan lebe, beginnt dieses Buch mit dem omnipräsenten erhobenen Zeigefinger. Bisher nur sehr unterschwellig, doch leider nimmt die Autorin das Thema auf und so geht es in dem Buch weniger darum, wie diese Frau ihren Vegan-Weg findet, als viel mehr darum, was der Mensch alles Böses tut. Überall ist der Zeigefinger präsent, der uns sagt "Was du tust ist BÖSE!" - so etwas stößt mir sauer auf, denn ich selbst kann es nicht leiden, wenn Menschen belehrend auf mich einzureden versuchen. Es ist eine Sache, Fakten einmalig und klar darzulegen, auf einer sachlichen Ebene - das Ganze aber immer und immer wieder aufzugreifen und dem Leser vor Augen zu führen, halte ich persönlich für unnötig. Schon allein deshalb, weil ich vermute, dass die meisten Menschen, die zu diesem Buch greifen, schon lang über dieses Wissen verfügen und man es ihnen nicht mehr unter die Nase reiben muss.
Natürlich ist es nicht falsch, in einem solchen Buch auch aufzuklären - dennoch hätte ich den Inhalt nicht derart auf Aufklärung konzentriert.
Für diejenigen, die sich prinzipiell für vegane Ernährung interessieren, mag dieses Buch vielleicht sogar abschreckend wirken - auf mich hätte es das definitiv.

Das Buch hat natürlich auch einige sehr gute Ansätze - so zum Beispiel, dass die Autorin immer wieder aufgreift, dass es nicht sofort zu 100% klappen muss, dass man sich davon aber auch nicht entmutigen lassen darf. Dass Ausnahmen vorkommen und sich dann auch anhäufen. Wie schwer es sein kann, die Gewohnheiten hinter sich zu lassen und dass es so viel wahrscheinlicher ist, dass uns etwas schmeckt, wenn wir das auch wollen.

Der angekündigte Inhalt des Buches, nämlich, die Familie unter einen Nenner, an einen gemeinsamen Esstisch zu bekommen, kommt mir persönlich viel zu kurz. Wie schon erwähnt ist das Warum viel präsenter. Das finde ich sehr schade, denn ich hatte mich genau auf diese Erfahrung, darauf, wie schwierig es sein kann, wie viel leichter aber andere Dinge sind, gefreut.

Was durchaus positiv anzumerken ist, sind die Rezepte am Ende des Buches - das kann immer mal helfen und es ist nie falsch, ein paar Rezepte zur Hand zu haben. Inwiefern diese nachahmenswert sind, kann ich natürlich noch nicht beurteilen. Zwar darf man hier keine kulinarischen Wunderwerke erwarten (auf eine simple Nudelsuppe mit Karotten dürfte jeder auch allein kommen ;) ), trotzdem kann so etwas eine tolle Anregung sein.

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich hier nicht unbedingt mehr, aber dafür andere Dinge erwartet hätte. Ich hatte mich auf einen schönen Erfahrungsbericht gefunden und den habe ich - für mein Empfinden - hier leider nicht finden können. Das Buch ist deshalb nicht schlecht, mehr als 3 Sterne mag ich dafür aber trotzdem nicht vergeben.

Kommentare:

  1. Tolle Rezension!
    Ich selbst bin auch seit 3 Jahren Veganerin, seit 5 Jahren esse ich schon kein Fleisch mehr und bin mehr als froh darüber. Dass du von diesem Buch nicht besonders angetan bist, kann ich nachvollziehen. - Ich habe auch schon einige Bücher dieser Art gelesen (nachdem ich vegan zu leben begonnen habe) und war oft ziemlich unzufrieden mit der Art, wie die Autoren das Thema "Veganismus" den Menschen vermitteln wollen...

    Weißt du, welches Buch es geschafft hat, mich zur Veganerin zu machen? Das hier:

    http://www.amazon.de/Skinny-Bitch-Wahrheit-schlechtes-Schlanksein/dp/3442170397/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1391116632&sr=8-1&keywords=skinny+bitch

    Bevor ich dieses Buch gelesen habe, habe ich die vegane Lebensweise nur "belächelt", es einfach NICHT-WAHRHABEN-WOLLEN. Ja, ich würde sogar sagen, dass ich davor nicht einmal eine "richtige" Vegetarierin war. Erst als ich beschlossen habe (und das war in einer tränenreichen Nacht, in der ich wie eine Verrückte um 3 Uhr morgens zum Kühlschrank gegangen bin und vor lauter Traurigkeit und Verzweiflung wegen der armen Tiere meine damals so geliebten Kuhmilch-Joghurts ausgeschüttet habe - gleich am nächsten Morgen bin ich einkaufen gefahren und habe mich mit pflanzlichen Lebensmitteln eingedeckt) vegan zu leben - habe ich das aus voller Überzeugung heraus getan.

    Liebe Grüße <3,
    Janine

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    1. Hei,

      Das ist ja interessant, gerade bei dem Buch hätte ich das gar nicht erwartet, dass es jemanden zum Veganismus bringt! Zugegeben kenne ich es auch nicht ;) Rein vom Titel hätte ich das nicht vermutet.

      Ich lebe seit mittlerweile 10 Jahren vegetarisch, die zwei Jahre davor lebte ich pescetarisch. Mittlerweile lebe ich vegan und fühle mich im Großen und Ganzen hervorragend damit. Ich wollte auch lange Zeit vieles einfach nicht wahr haben - "So schlimm ist das ga rnicht mit der Milch und den Eiern". Aber irgendwann kann man (leider?) nicht mehr wegsehen. Ich will es nicht mehr. Leider gibt es noch zu viele Leute, die immernoch lieber wegsehen, als dass sie sich mit Missständen auseinandersetzen.

      Umso schöner finde ich es, wenn man Leute trifft, die genau das getan haben bzw. immernoch tun! :)

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    2. Ja, ich hätte das anfangs bei dem Buch auch nicht erwartet, dass es darin um solche Themen geht, es war damals nur ein Spontankauf, weil ich den Titel so skurril fand. Bevor ich das Buch überhaupt gelesen habe, lag es auch bestimmt 2 Jahre in meiner Schublade herum. - Hätte ich das früher gelesen, wäre ich vermutlich auch schon früher in den Veganismus "übergetreten". - Also ich kann nur sagen, auch immer noch aus der heutigen Sicht, es war die beste Entscheidung meines Lebens, die ich auch noch nie auch nur ansatzweise bereut habe.

      <3 Janine

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    3. Vielleicht muss ich mir das Buch dann doch nochmal genauer ansehen ;)
      Die wenigsten Leute, die ich kennen, bereuen ihre Entscheidung und ich freue mich auch darüber sehr :)

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  2. Sehr schöne Rezi :) Werde mir das Buch definitiv mal von dir ausleihen. Zwar werde ich nicht mehr in diesem Leben zum Veganer aber ich finde es immer noch toll, dass du das so durchziehst und uns "Omnis" ;) nicht immer den Zeigefinger zeigst...leben und leben lassen, nicht wahr?
    Jeder sollte das essen was er mag und wie er sich seelisch und körperlich damit wohl fühlt. Die Diskussionen zum Veganismus und andersrum kann man ja ewig weit ausführen und man würde trotzdem nie zu einer Einigung kommen.

    Leider scheint ja in dem Buch der erhobene Zeigefinger ziemlich oft da zu sein...finde ich schade...man kann Leute auch positiv zum Veganismus führen ohne den Rest der Welt zu verteufeln *narf*

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    1. Kann man, sehen aber viele nicht. Sie erklärt das in dem Buch an einer Stelle - keiner wird nur wegen dem guten Essen zum Veganer ;)

      Wer mich zu bestimmten Dingen fragt, wird eine Antwort bekommen, die ihm/ihr vielleicht nicht gefällt. Aber in der Regel werde ich nicht von mir aus den Moralapostel spielen.

      Leben und leben lassen - verurteilt man mich nicht dafür, dass ich vegan lebe, verurteile ich niemanden, der omnivor lebt ;)

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  3. Salut, Michelle.
    Das Buch setzt an einer interessanten Prämisse an - wie wirkt sich eine grundsätzliche, persönliche (!) Entscheidung auf das Leben der eigenen Familie aus. Interessant auch deshalb, weil sich für mich Similaritäten mit einem Religionswechsel (in den Konsequenzen) ergeben. Fängt wohl schon mit der Frage an, ob die Kinder hierzu gefragt sind.
    Aber soweit scheint es wohl nicht zu kommen, wenn ich Deine Einwände hierzu lese. Der Klassiker also von Birnen auf dem Backcover und den Äpfeln im Buch. :-)

    Der wesentlich Charakter eines Individuums ist, daß er/sie Entscheidungen im Leben für sich trifft. Dafür muß man/frau die Möglichkeit der freien Wahl haben. Wohl ein Grund, warum auch ich aufhorche wenn wiederum moralisierende Zeigefinger rot aufglühen.

    Ich käme da nie darauf Dich zu verurteilen. :-)

    bonté

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    1. Das mit den Äpfeln und den Birnen trifft es ziemlich gut - ich mag beides ;) Wenn ich aber Apfel versprochen, dafür aber Birne geliefert bekomme, werde ich schon ein wenig ungehalten...

      Und gerade dieser Zeigefinger ist es, der mich stört. Denn meist sind es doch die Leute, die schon um die Missstände wissen, die sich solchen Büchern widmen - und denjenigen muss man sie nicht nochmal intensiv vor Augen führen. Ich weiß, warum ich vegan lebe, danke. Und das werde ich auch nicht vergessen.

      Die Verurteilung geschieht leider viel häufiger als gedacht - beiderseits. So oft muss ich mir spöttisches "Willst du auch? Ach nein, du DARFST ja nicht" oder "Für jemanden, der nix essen kann bist du aber noch recht pummelig" anhören. Es nervt. Ich erwarte nicht, dass die Leute verstehen, was ich tue - aber akzeptieren wäre doch schon ganz nett - gerade, weil es niemandem schadet ;)

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    2. ...ich "liebe" es wenn sich Ignorranz mit Unhöflichkeit (um es höflich zu formulieren) trifft; ein Aufziehen Deiner Sicht zeugt wohl nur von flagranter Unsicherheit, Gedankenlosigkeit.
      Gut, daß Du "beiderseits" anmerkst. Dogmatik * verursacht mir geistiges Sodbrennen - egal worin.

      bonté

      * in solchen Fällen empfehle ich gern Orwells "1984"

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    3. Dem ist meiner Ansicht nach nichts mehr hinzuzufügen ;)

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