Samstag, 1. März 2014

[Buch-Rezension] Sieh mich an

   Sieh mich an
Natasha Friend
Taschenbuch: 352 Seiten
Sprache: Deutsch
Originaltitel: My Life in Black and White
ISBN: 9783551312662

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Ich betrat das Schlafzimmer von Taylors Eltern und dort brach, von einer Sekunde auf die andere, meine ganze Welt zusammen. 

Ein einziger Moment genügt, um Lexis perfektes Leben auszuradieren - und ihr das zu nehmen, was für sie zählt: ihre beste Freundin Taylor, die Beziehung mit Ryan und ihre Schönheit.
Denn wenn Ryan sie nicht mit Taylor betrogen hätte, wäre Lexi nie in das Auto gestiegen und würde jetzt nicht vor jedem Spiegel fliehen. Und sie müsste sich nicht diese Frage stellen: Was bleibt, wenn du alles verlierst, was dir wichtig war?



Cover/Aufmachung
Das auf dem Cover abgebildete  Mädchen passt ganz hervorragend zur Geschichte - zu der Lexi, die wir nur kurz kennenlernen dürfen, bevor der Unfall alles verändert. Hier finde ich aber auch die Risse sehr passend, wodurch das Cover wirkt, als hätte man Stücke eines Fotos entfernt, um darunterliegende Schriften (Titel & Autorin) zu offenbaren. Das eben, was unter der Oberfläche liegt. Das Cover selbst ist sehr ruhig, angenehm zu betrachten und in Bezug auf die Geschichte hervorragend gewählt.

Inhalt/Geschichte

Alexa - oder Lexi - unsere Protagonistin führt ein auf den ersten Blick perfektes Leben: sie ist hübsch, glücklich verliebt und verbringt viel Zeit mit ihrer besten Freundin Taylor. Die beiden teilen alles - doch als Lexi eines Abends Taylor und ihren Freund Ryan auf einer Party miteinander erwischt, ist das alles vorbei. Wütend verlässt sie die Party und lässt sich nach Hause fahren. Die Fahrt allerdings endet nicht bei ihr, sondern im Krankenhaus. Lexi bekommt eine Hauttransplantation und so verliert sie an einem Tag ihren Partner, ihre beste Freundin und ihr Gesicht. Plötzlich weiß sie selbst nicht mehr, wer sie ist und muss sich selbst erst wieder kennen lernen.

Charaktere

Unsere Protagonistin Alexa ist eine typische Jugendliche: Es dreht sich scheinbar alles um ihre Optik, ihre beste Freundin, das klassische "Wer-mit-wem". Nach ihrem Unfall ändert sich das - verständlicherweise - dramatisch. Sie distanziert sich von allen, vergräbt sich in ihrem Elend. Plötzlich steht sie allein da und muss lernen, damit umzugehen. An ihrer Seite findet sie hierbei überraschend ihre Schwester Ruthie. Ganz allmählich, so unterschwellig, dass der Leser selbst es nur rückblicken bemerkt, kommt sie dann aber zurück ins Leben.
Bei Lexi gibt es nicht eine Sekunde, in der ich sie nicht verstanden hätte - in der ich nicht hätte nachvollziehen können, warum sie so reagiert, wie sie es getan hat. Ein durch und durch glaubhafter und liebenswerter Charakter.

Schreibstil

Am Schreibstil und den Charakteren merkt man stark, welche Zielgruppe dieses Buch natürlich ansprechen soll: Jugendliche. Und trotzdem lässt sich das Buch auch als Erwachsener wunderbar lesen. Die Sätze sind nie zu lang, es gibt keine Stelle am Buch, die durch den Satzbau, die Grammatik oder etwas anderes vernichtet wird. Lediglich das zusammengeschriebene "Omeingott" ging mir ein wenig auf die Nerven - ein paar Leerzeichen mehr hätten hier sicher auch nicht geschadet. Durch die Ich-Perspektive gelangen wir noch näher an Lexi heran, können noch intensiver mit ihr fühlen, was dem Buch nochmal eine ganz besondere Intensität gibt. Die absolut richtige Perspektive für dieses Buch.


Dieses 352 Seiten starke Jugendbuch beschäftigt sich mit vielen aktuellen Themen und sollte nicht nur aus diesem Grund den Leuten ans Herz gelegt werden. Eine wundervoll ausgestaltete Protagonistin, eine tolle Geschichte über die Ich-Findung und die wahren Werte.
Absolut lesenswert!



Vielen Dank an vorablesen.de

Kommentare:

  1. Salut, Michelle.
    Eine strukturierte Besprechung als kleine Neuerung. Schön, zumal wir noch etwas mehr von Dir über ein Buch erfahren. Erwischt - ich lese gerne! :-)

    Ein doppelter Vertrauensbruch - in jungen Jahren (mit all den Idealen) wohl die schwerste Verletzung der eigenen Person. Die Metapher mit dem (wohl verbrannten) Gesicht wiegt hier schwer. Das Ich auf "leer" gesetzt. Von diesem emotionalen Nullpunkt die Figur sich wieder aufbauen laßen ist anspruchsvolle Schreib-Arbeit. Mitnichten nach dem Schema F zu tippen.

    Deine Nähe zu Lexis Gefühlskosmos und Gedankenwelt spricht für Deine Empathie

    Reagieren Taylor & Nase Ryan mit der üblichen Verdrängung ihrer Verantwortung?

    Lesenswert.

    Da es sich um einen us-amerikanischen Roman handelt, ist die Frage der Behandlung vielleicht auch ein relevantes Thema. Just im Zusammenhang mit der "Ich-wünsche-mir-zum-zwölften-Geburstag-neue-Lippen/Brüste/Nase"-Idiotie.

    bonté

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    1. Konbanwa,

      ja es musste etwas mehr Struktur her - das wurde langsam Zeit ;)


      Ein wirklich empfehlenswertes Buch gerade für die schon von dir angesprochene Gruppe von Kindern. Sollte also mal der Lesestoff ausgehen... ;)

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