Dienstag, 1. April 2014

[Buch-Rezension] Der Nachtzirkus

   Der Nachtzirkus
Erin Morgenstern
Taschenbuch: 464 Seiten
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Night Circus
ISBN: 9783548285498

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Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves -  Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich phantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: sie verlieben sich rettungslos ineinander...

Cover/Aufmachung

Gemäß den Farben des Zirkus´ ist auch das Buch in schwarz und weiß gehalten - die beiden Figuren sind in silber aufgedruckt und stellen ganz offensichtlich Celia und Marco dar. Auch die rote Farbe auf dem Cover wird im Buch aufgegriffen und passt so hervorragend ins Konzept. Die Schrift des Titels und des Namens der  Autorin passen sich perfekt in das Cover ein, sowohl in Farb- als auch Größenverhältnis.
Insgesamt ein wirklich sehr sehr schönes Cover, das mich wohl auch in der Buchhandlung angesprochen hätte.

Inhalt/Geschichte

Wo mich das Cover überzeugt, lässt die Geschichte leider ein wenig zu wünschen übrig. Wir dürfen Celia und auch Marco begleiten, wie sie ausgebildet werden, in den Zirkus eintreten und sich schließlich ineinander verlieben. Wir begleiten sie, wie sie versuchen, zueinander zu gelangen, aller Widerstände zum Trotz. Und nicht nur sie begleiten wir, unzählige Charaktere spielen in diese Geschichte rein - auch wir als Leser dürfen Teil werden dieser Geschichte und werden immer wieder tiefer in das Buch hineingezogen.
So viel zur Theorie. In der Praxis muss ich leider sagen, dass sich die Geschichte des Buches für mein Empfinden zu lang dehnt und der Spannungsbogen zu flach verläuft. Was dieses Buch ausmacht ist seine Atmosphäre - dazu aber mehr unter "Schreibstil".
Wir haben hier eine mehr oder weniger klassische Liebesgeschichte - nicht ganz mein Genre, zugegeben. Zwei Menschen, die sich lieben, aber nicht zusammen sein dürfen, sich bekämpfen sollen und am Ende doch zusammen finden - oder nicht?
Die Geschichte insgesamt hat mich aber nun wirklich nicht vom Hocker gerissen und müsste ich nur diese bewerten, käme das Buch mit gerade mal 2 Sternen davon.

Charaktere

Offiziell sind Celia und Marco unsere Protagonisten. Beide werden erzogen, um den jeweils anderen in einem "Spiel" zu schlagen, dessen Regeln sie nicht kennen. Während Celia als Halbwaise von ihrem Vater unterrichtet wird, kommt Marco aus einem Waisenhaus und wird von Alexander unterrichtet. Die beiden Lehrmethoden unterscheiden sich grundsätzlich, was letztlich auch der Ursprung der Spiele war.
Und dennoch fühle ich mich zwei anderen Charakteren deutlich nähen - nämlich Widget und Poppet, die man wohl auch als Protagonisten bezeichnen kann.
Mir persönlich hat bei den Charakteren ein wenig Tiefe gefehlt. Ich denke, dass man so viel mehr aus allem hätte rausholen können. Schade!

Schreibstil

Bisher klingt das alles ja sehr negativ, das gebe ich zu. Doch unter diesem Punkt, dem Schreibstil, wendet sich das Blatt. Die Autorin schafft es, und mitzunehmen in andere Welten und das so intensiv, dass ich die Dinge riechen und sehen könnte. Fantastisch, wirklich! Ich habe selten ein Buch so intensiv wahrgenommen. Wir befinden uns durch den Schreibstil und dadurch, dass wir regelmäßig auch persönlich angesprochen werden, direkt im Zirkus, in der Geschichte, mitten im Geschehen. Wenn auch die Geschichte nur bedingt  interessant ist, der Schreibstil lohnt auf jeden Fall!



Dieses Buch lebt von der Stimmung! Und die ist super. Die Geschichte selbst ist recht unspektakulär.
Wer also ein stimmungsvolles Buch will, dass sich gut nebenbei lesen lässt und ein ruhiges, zufriedenes Gefühl hinterlässt, ist hier richtig.

Kommentare:

  1. also die Beschreibung klingt zumindest sehr interessant

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    1. Die Stimmung des Buches ist auch wirklich grandios! Nur die Geschichte war nicht so meins ;)

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  2. Also ich wollte gar net, dass das Buch aufhört...ich fand die Geschichte sooooo toll *O* Klar, wenn man es runterbricht, ist es "nur" eine Liebesgeschichte aber dann irgendwie doch net xD Ich liebe das Buch einfach abgöttisch *hach*

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    1. Es war auch ein wirklich tolles Buch aber für mich hat es einfach mehr von der Atmosphäre als von der Geschichte gelebt. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich Poppet und Widget einfach als geeignetere Protagonistin erachte als Celia und Marco - für Protagonisten kamen die mir hier einfach zu kurz ;)

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  3. Moshi moshi, Nezumi.
    Girl meets boy - an welchem Lagerfeuer besagter Plot wohl zuerst erzählt wurde?
    Vermutlich als verzweifelte Alternative zu Uluks 40ter Version seiner Jagd vom Vortag.

    Literarische Atmosphäre ist doch fast die halbe Miete. Wobei mich Deine Zeilen hierzu an einen bemerkenswerten Film denken laßen: 'MirrorMask' von Dave McKean und Neil Gaiman. Düster sürreal. Alice on acid.
    Apropos...
    'Sucker Punch' letztens gesehen?

    bonté

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    1. Ohayou~

      Gute Frage! Solche Geschichten gab es ja nun doch schon immer ;)

      In der letzten Zeit kommt das Visuelle ein wenig kurz bei mir - meine Konzentration liegt beim geschriebenen Wort und der nähmaschine :)

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    2. ...die Worte fliegen & die Nadel glüht. Freut mich. Man/frau sollte immer dem nachgehen wohin die Lust treibt, denke ich. Verschiedene Interessen sind dann geradezu ideal.

      Bin naseweiß auf Dein kommendes Video!

      Mein übriges 'Sucker Punch'-Exemplar lagert noch bei mir.

      bonté

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    3. Mittlerweile glüht nicht nur die Nadel sondern auch die Stirn. Wobei letztere allmählich wieder abkühlt, während Erstere wieder intensiver genutzt wird.

      Das Video wird nochmals etwas warten müssen, denn ich muss es noch schneiden und ein wenig bearbeiten, bevor ich es hochladen kann - und dafür fehlt mir gerade Zeit, Lust und Motivation ;)

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