Samstag, 3. Mai 2014

[Buch-Rezension] Das Los

   Das Los
Tibor Rode
Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN: 9783431038934

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Für was bist du bereit, deine Seele zu verkaufen?

Diese Frage müssen sich vier Menschen in verschiedenen Teilen der Welt stellen, als ihnen ein mysteriöser Mönch die Teilnahme an einem jahrhundertealten Spiel anbietet. Ihr Einsatz: alles, was sie besitzen. Der Gewinn: ein Preis von unermesslichem Wert - die Erfüllung all ihrer Träume. Alle vier lassen sich auf das Spiel und seine Regeln ein. Aber dann geschieht ein Mord, und die Teilnehmer erkennen, wie hoch ihr Einsatz wirklich ist...

Cover/Aufmachung

Auf dem in Grautönen gehaltenen Cover prangt rot ein vierblättriges Kleeblatt - das allgemein bekannte Glückssymbol. Vier Blätter - vier Teilnehmer an der Lotterie. Nicht nur die Darstellung, nämlich nicht die eines scharf umrissenen Kleeblattes sondern die "Ausläufer" lassen darauf hindeuten, dass es sich hier um einen Thriller handelt. Unter dem blutigen Kleeblatt finden wir den Titel des Buches aufgedruck - ebenfalls in Rot.

Das Cover gefällt mir persönlich sehr gut, es hat mich direkt angesprochen - wegen der Farbwahl und der Thematik. Gerade mit dem Kleeblatt passt es sehr gut zur Geschichte und vermittelt zusammen mit dem Titel direkt einen Eindruck, was uns erwarten könnte.

Inhalt/Geschichte

Der Buchrücken gibt es schon her: Eine Lotterie! Viel vollkommen verschiedenen Menschen erhalten die Möglichkeit, an einer einmaligen Lotterie teilzunehmen. Von dieser Möglichkeit erfahren sie durch einen Mönch -  der kurz nachdem die einzige weibliche Teilnehmerin ihr Los gezeichnet hat getötet wird. Er stirbt in ihren Armen. Nicht jedoch, ohne ihr zuvor noch drei Worte ins Ohr zu flüstern und ihr die Unterlagen der Lotterie zu überreichen. Denn noch haben nicht alle Teilnehmer unterzeichnet und erst, wenn alle Lose gezeichnet wurden, kann die Lotterie finden. Also macht sie sich auf die Suche nach der letzten Person, die noch fehlt.

Ich bin zugegebenermaßen mit hohen Erwartungen an dieses Buch heran getreten, denn Cover und Buchrücken haben mich unheimlich neugierig gemacht! Das klingt doch nach einer sehr tollen Idee und einem Buch ganz nach meinem Geschmack!
Leider -  und das möchte ich hier schon ganz klar sagen - wurde ich ziemlich enttäuscht. Von einem Thriller erwarte ich einen gewissen Spannungsbogen, eine Geschichte, die mich mitreißt. Kurzum: ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen mag!
Hier war es leider gerade andersrum: Ich wollte es gar nicht erst zur Hand nehmen. Die Geschichte verlief so flach vor sich hin, es kam keine Stimmung auf und die Rückblenden zur Entstehung der ganzen Lotterie haben es nicht besser gemacht. Man hätte dieses Buch gut und gern auf die Hälfte der Seitenzahl zusammenkürzen können - vielleicht wäre dann etwas mehr Stimmung aufgekommen. Einigermaßen spannend wurde es für mich erst ab Seite 490. Bei 640 Seiten bleibt da nicht mehr viel.

Darüber hinaus war das Ende zu schnell absehbar. Schon bei der Hälfte des Buches konnte ich das Ende - richtig - vorhersagen, ohne einen Blick auf das Ende geworfen zu haben. Zwar geht es mir oft so, dass ich eine Vermutung habe, die sich als richtig herausstellt, jedoch passiert es auch mir selten, dass ich mir so sicher bin, dass ich es fast nicht mehr für nötig halte, weiter zu lesen.

Die Geschichte konnte mich wirklich nicht für sich begeistern. Eine tolle Idee, die in der Umsetzung für mein Empfinden gescheitert ist.


Charaktere

Wir begleiten in diesem Buch zwei große Handlungsstränge: Zum einen den der Entstehung der Lotterie und den oben beschriebenen. Demnach haben wir auch zwei Protagonisten.

Protagonist der "Lotteriehandlung" ist Giovanni Calzabigi, der die Idee der Lotterie nach einem bereits gescheiterten Versuch nach Preußen bringt.  Wir erfahren während der Kapitel mit ihm nicht allzu viel - für mich hat sich lediglich herausgestellt, dass ich ihn nicht mag. Er ist mir in allem, was er tut, zu obszessiv und so habe ich von Anfang an eine etwas negative Einstellung ihm gegenüber gehabt.

Unser zweiter Handlungsstrang ist der gegenwärtige. Hier begleiten wir Trisha, eine junge Dame, die ihr Glück im Pokern versucht - und die mir deutlich sympathischer ist, obwohl sie keineswegs erstrebenswerte Charakterzüge an den Tag legt. Allen voran natürlich, dass sie ihre Eltern betrogen und in meinen Augen beraubt hat...
Dennoch war mit Trisha deutlich lieber als die meisten anderen Charaktere des Buches.

Auf alle Charaktere intensiv einzugehen würde den Rahmen sprengen deswegen versuche ich, das Ganze ein wenig zusammenzufassen: Wir hatten recht viele Charaktere in diesem Buch und ich hatte stellenweise das Gefühl, dass die Qualität der Charaktere unter der Masse gelitten hat. Den Charakteren hat für mein Empfinden Tiefe gefehlt, was mich auch eine gewisse Distanz zu den Teilnehmern der Lotterie und dem ganzen Buch hat einnehmen lassen.


Schreibstil

Ah! Der Schreibstil! Nachdem ich so viele nicht ganz so tolle Dinge schreiben "musste" - schließlich ist hier meine ehrliche Meinung gefragt! - kommen wir zu einem Punkt, in dem ich den Autor nur loben kann. Ein wundervoller Schreibstil. Wo zwar Spannungsbogen und Charakterentwurf nicht überzeugen konnten, war handwerklich nichts auszusetzen - gerade was Grammatik, Syntax, Zeichensetzung usw. angeht. Die Sätze haben eine angenehme Länge.
Alles in allem liest sich das Buch gut, nur sehr sehr zäh. Dies ist aber - das möchte ich nochmals erwähnen - nicht dem Schreibstil geschuldet...

 Wie bereits mehrfach erwähnt: Das Buch hat mich enttäuscht. Vielleicht hat es einfach nicht zu meiner Lesestimmung gepasst, allerdings hatte ich es wirklich schon lange nicht mehr, dass ich ein Buch zur Seite legen und nicht wieder anfassen wollte. Daher kann ich auch wirklich nicht mehr geben als
(und das mit gutem Willen...)

Kommentare:

  1. Moshi moshi, Nezumi.
    Nach Sonnes ist dies die zweite Rezi, die ich über das Buch gelesen habe, die zu ähnlich charakterisierten Schwachpunkten kommt. Scheint also durchaus berechtigt zu sein.
    Möglicherweise wäre der Verlag besser gefahren, wenn er den Roman weniger als Thriller und mehr als Drama positioniert hätte. Denn stilistisch scheint es eher kein Manko zu geben.

    In puncto guter Thriller kann ich Dich aktuell immer noch auf Thiemayers "Valhalla" querverweisen. Stimmig, spannend, facettenreich.

    Hoffe Deiner Stimme geht es wieder gut.

    bonté

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    1. Ohayou~

      ehrlich gesagt beruhigt es mich immer, wenn ich nicht die Einzige bin, die ein Buch schlecht bewertet. Ich persönlich finde, dass es schon so schwer genug ist, eine schwere Rezension zu schreiben - ich mag es lieber, gute zu schreiben.
      Drama hätte das ganz durchaus besser bezeichnet. Meinetwegen auch noch Krimi. Aber von einem Thriller ist das Ganze leider Meilenweit entfernt.
      Valhalla steht ja nun auch hier und wird in den nächsten Tagen in Angriff genommen ;) Vorher muss nur die aktuelle Lektüre beendet werden.

      Die Stimme erholt sich allmählich - aber der Heuschnupfen setzt ihr leider sehr zu-

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    2. ...ich würde Dir gern ein Universum ganz ohne Heuschnupfen schenken.
      Erwischt Dich jetzt die leichte oder die heftige Form?
      Ich wünsch Dir was - kenko!

      Wenn Kritik sachlich fundiert angebracht wird, Dein subjektiver Eindruck einfließt, dann ist Deine Kritik relevant. Für den Verlag, wie den Autor, die Schriftstellerin. Die Mehrzahl sieht darin einen Gewinn. Also nur zu mit Deiner Meinung.

      bonté

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    3. Das ist lieb <3 ... Es gibt eine leichte Form? Die kenne ich nicht ;)

      Obwohl auch negative Kritik durchaus konstruktiv sein kann, mag ich es dennoch lieber, eine positive Kritik zu verfassen ;) Aber das liegt wohl einfach in der Natur des Menschen.

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