Montag, 2. Juni 2014

[Buch-Rezension] Wen der Rabe ruft

   Wen der Rabe ruft
Maggie Stiefvater
Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Raven Boys
ISBN: 9783839001530

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Jedes Jahr im April empfängt Blue die Seelen derer, die bald sterben werden, auf dem verwitterten Kirchhof außerhalb ihrer Stadt. Bisher konnte sie sie nur spüren, nie sehen - bis in diesem Jahr plötzlich der Geist eines Jungen aus dem Dunkel auftaucht. Sein Name lautet Gansey, und dass Blue ihn sieht, bedeutet, dass sie der Grund für seinen Tod sein wird.

Seit Blue sich erinnern kann, lebt sie mit der Weissagung, dass sie ihre wahre Liebe durch einen Kuss töten wird. Ist damit etwa Gansey gemeint?


Cover/Aufmachung
Ein recht düster gehaltenes Cover, das uns in ein kleines Wäldchen führt - wie überaus passend und welch herrlicher Aufgriff der Geschichte! Das Cover ist ein wahrer Eyecatcher, der neugierig auf den Klappentext des Buches macht. Gerade auch mit dem "Rankenrahmen" ist hier voll und ganz mein Geschmack getroffen worden und die dunkleren Farben, sowie die ganze Atmosphäre des Covers hat mich sofort für sich eingenommen.
Ein weiterer Pluspunkt: Ein integriertes Lesebändchen. Ich liebe sowas :)

Inhalt/Geschichte

Blue wächst in einer Familie auf, in der übernatürliche Fähigkeiten gang und gäbe sind. Alle haben die ein oder andere Methode, Dinge in der Zukunft sehen zu können - nur Blue selbst bleibt diese Welt weitestgehend verborgen. Sie dient lediglich als "Verstärker" - sie macht die Dinge für die "sehenden" Familienmitglieder stärker, lauter.
Bis auf diese Nacht, als sie den Geist eines Jungen sieht und weiß, dass er in den nächsten 12 Monaten sterben wird.
Als Gansey dann noch bei ihrer Mutter auftaucht und sie bittet, ihm die Karten zu legen, wird Blue immer weiter in die Geheimnisse der kleinen Gruppe um Gansey einbezogen. Und kaum ist Blue dabei, beginnt etwas...

Der Klappentext hat schon einen schönen Teil der Geschichte wiedergegeben, allerdings liest er sich mehr wie eine reine Liebesgeschichte - die haben wir hier nicht. Zumindest noch nicht, denn dieses Buch ist der Auftakt zu einer Reihe, die aus insgesamt 4 Teilen besteht (bzw. bestehen wird, denn in Deutschland ist Band 2 bisher nicht veröffentlicht worden). Band Nummer 2 - "Wer die Lilie träumt" wird im September 2014 in Deutschland veröffentlicht.
Obwohl ich weiß, dass gerade bei Reihen oftmals im ersten Teil ein wenig ruhiger losgelegt wird, hat mir hier nun doch deutlich Spannung gefehlt. Die Geschichte ist wirklich toll und auch durchaus interessant, allerdings wäre diese Geschichte mit weniger Seiten auch ausgekommen. Der Spannungsbogen verlief recht flach, was ich sehr schade fand und auch die sehr guten letzten 60 Seiten konnten hier nur unwesentlich viel ausmachen.

Ob ich den zweiten Band lesen werde, kann ich jetzt noch nicht sagen, ich lasse mich überraschen.

Charaktere 
Hier einen Protagonisten festzulegen ist wirklich schwer. Natürlich impliziert der Buchrücken, dass Blue unsere Protagonistin ist. Allerdings scheint sie in diesem Band nur eine Nebenrolle zu spielen, zumindest hatte ich den Eindruck (kleine Anekdote  am Rande: Bei Blue hatte ich die ganze Zeit ein Pferd im Kopf, weil eine unserer Paint-Horse-Stuten auch Blue heißt ;) ).

Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen - so mein Empfinden - Gansey und Adam, zwei der "Raven Boys". Beide gehen auf die Aglionby-Schule, deren Emblem ein Rabe ist (womit sich der Name und auch der Titel der englischen Originalausgabe erklärt). Während Gansey aus gutem Hause kommt und sich nie Gedanken um das Geld machen muss, stammt Adam eher aus... sagen wir, suboptimalen Verhältnissen - ein gewalttätiger Vater wartet zu Hause zusammen mit einer resignierten Mutter, die beide möglichst nicht davon erfahren sollten, wie viel er bei seinen Nebenjobs (um die Schule zu zahlen) verdient.
Unterschiedlicher könnten die zwei also kaum sein.

Ich würde gern mehr zu den Charakteren schreiben, allerdings habe ich persönlich bisher nicht wirklich Zugang zu ihnen bekommen, weshalb ich hier noch nicht viel mehr sagen kann. Ich hoffe, dass sich das mit einem eventuell gelesenen zweiten Teil bessern wird ;)


Schreibstil/Übersetzung
In der ganzen Übersetzung habe ich keinen einzigen Schreibfehler bewusst wahrgenommen. Das Buch liest sich auch wirklich flüssig, allerdings gab es mir persönlich zu viel von Gansey. Die Kapitel, die er geprägt hat, waren allesamt ziemlich anstrengend und ermüdend zu lesen.
Daher kann ich hier leider nicht die volle Punktzahl geben...


Ein guter Start in eine Reihe, die viel Potential besitzt. Entfernt von der High-End-Fantasy ist dieses Buch sicherlich eine schöne Leseerfahrung für diejenigen, die einen etwas seichteren Einstieg und ein rasantes Finale mögen.


Kommentare:

  1. Schöne Rezi :)
    Das Buch steht auf meiner Wunschliste - allerdings werde ich mit dem Lesen warten, bis alle drei Teile draußen sind. Die langen Pausen dazwischen mag ich gar nicht leiden :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Das kann ich verstehen :D Ich mag es auch nich, lange zu warten :D

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  2. Hi Nezumi

    "Wen der Rabe ruft" hat mir auch gut gefallen, vor allem die Charaktere. Aber ich muss zugeben, dass es für mich das beste Buch von Maggie Stiefvater war. Sie konnte mich schon viel mehr begeistern, wie zum Bespiel mit "Ror wie das Meer" oder den Wölfen von Mercy Falls. Ich finde, dass man hier merkt, dass es der Einstieg in eine Reihe ist.

    lg Favola

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    1. Vielleicht sollte ich mich der Mercy Falls-Reihe doch nochmal widmen... Mal sehen ;)

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  3. Bonjour, Michelle.
    Ich denke auch den heutigen Feiertag wirst Du wohlig zu genießen wissen... :-)

    Optimistisch betrachtet könnte dieser Erst-Band das Äquivalent zum Anfahren am Berg sein (schon absolviert?); es zieht sich etwas bis die Beschleunigung auf die Straße gebracht ist.
    Vielleicht mußte Maggie Stiefvatter auch nur erst Ihr Besteck sortieren.
    Hätte Dir da eine packendere Lektüre gewünscht. :-)

    bonté

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    1. Anfahren am Berg - erinner mich nicht daran! :D Schon erfolgreich und problemlos absolviert ;)

      Naja, obwohl es nicht so packend war, hat es doch gut Spaß gemacht, das zu lesen - und das soll es ja auch, nicht wahr? :)

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