Freitag, 25. Juli 2014

[Buch-Rezension] Die Erbin

   Die Erbin
John Grisham
Hardcover:704 Seiten
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Sycamore Rowe
ISBN: 9783453269101

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Vielen lieben Dank an den Heyne-Verlag für die 
Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!  



Spektakulärer hätte Seth Hubbard seinen Tod nicht inszenieren können. Als sein Mitarbeiter ihn eines Morgens aufgehängt an einem Baum findet, ist die Bestürzung im beschaulichen Clanton groß. Niemand hätte mit einem Freitod gerechnet. Hubbards Familie sieht das pragmatischer und ist in erster Linie an der Testamentseröffnung interessiert. Was sie nicht weiß: Kurz vor seinem Tod hat Hubbard sein Testament geändert. Alleinige Erbin ist seine schwarze Haushälterin Lettie Lang. Ein erbitterter Erbstreit beginnt . . .




Cover/Aufmachung
   Metallisch schimmernde Cover üben ja eine unheimliche Anziehungskraft auf mich aus, das gebe ich zu. Von daher bekommt das Buch hier schon mal einen ersten Pluspunkt und auch das Streichholz, das doch Bezug zur Geschichte aufweist,  ist gut gewählt. Insgesamt ist es ein sehr schlichtes, aber schönes Cover. Allein wegen der Aufmachung aber hätte ich das Buch nicht in die Hand genommen.


Inhalt/Geschichte
   Seth Hubbard ist schwer an Lungenkrebs erkrankt. Um genau zu sein sogar so schwer, dass er weiß, dass er den Kampf gegen den Krebs verloren hat und so beschließt. selbst zu entscheiden, wann und wie er von dieser Welt scheiden soll - und so beschließt er, alles in die Wege zu leiten, was seine Beerdigung, das Auffinden seiner Leiche und natürlich auch seinen Nachlass angeht. Er schickt einen Brief an Jake Brigance, der ein handgeschriebenes Testament enthält, welches das vorangegangene aufhebt. In diesem Testament vermacht Seth Hubbard 90% seines Besitzes an seine schwarze Haushälterin Lettie Lang. Diese hat die letzten 3 Jahre mehr Zeit mit dem introvertierten Einzelgänger verbracht, als sonst ein Mensch. Doch hier liegt der Knackpunkt, denn Hubbards Kinder sind sich sicher, dass Lettie ihren ehemaligen Arbeitgeber unrechtmäßig beeinflust habe, Seth nicht testierfähig gewesen und das handschriftlich eingereichte Testament - laut dem die Kinder von Seth komplett leer ausgehen sollten - damit ungültig sei. Von allen Seiten stürzen sich die Anwälte auf den Fall, denn jeder will sein Teil vom Geld bekommen. Innerhalb kürzester Zeit entbrennt ein erbitterter Erbschaftsstreit.

Ich gebe zu, dass ich kein Freund von Gerichtsgeschichten bin und mich daher mit diesem Buch sehr schwer getan habe. John Grisham hat es geschafft, mich mit dem ersten Fall von Jake Brigance "Die Jury" zu begeistern. Eine grandiose Geschichte, die man kennen kann, aber nicht muss, um diesen zweiten Fall nachvollziehen und verstehen zu können.
  Dennoch muss ich sagen, dass mir "Die Jury" deutlich besser gefallen hat. Ich fand irgendwie nicht wirklich in "Die Erbin" hinein und hatte große Schwierigkeiten, mich längere Zeit auf das Buch zu konzentrieren, einfach, weil die Geschichte so unheimlich langatmig war. Darauf hatte ich mich eingestellt, schließlich haben wir hier keinen Thriller liegen, sondern ein Buch, in dem ein Gerichtsverfahren geschildert wird. Dennoch bin ich der Meinung, dass man einige Passagen herauskürzen hätte können, denn die Langatmigkeit hat mir sehr viel vom Lesespaß genommen.

Charaktere 
     Wir haben in diesem Buch drei Hauptcharaktere: Zum einen natürlich Jake Brigance, den wir schon in "Die Jury" kennenlernen durften.
  Zum anderen haben wir Lettie Lang, die Haushälterin, welche den Hauptanteil des Erbes unseres dritten Protagonisten, Seth Hubbard, erben soll.

  John Grisham hat es hervorragend verstanden, jedem Charakter eine wundervolle, liebevoll gestaltete Hintergrundgeschichte zu verschaffen, jedoch sind mir die Charaktere ein wenig einseitig und gleichförmig erschienen. Wir wurden mit unheimlich vielen Namen konfrontiert, die plötzlich auftauchten und dann wieder einfach so verschwanden. Insgesamt leider recht verwirrend und nicht so charaktergestaltend, wie ich es gern mag.

Schreibstil/Übersetzung

 Am Schreibstil hat sich nichts geändert - dieser ist nach wie vor fesselnd und unkompliziert - oder zuindest so unkompliziert, wie er es bei einem solchen Thema sein kann. Schreibfehler habe ich keine gefunden, auch die Zeichensetzung war mit ein, zwei Ausnahmen fehlerlos. Bewusst erinnere ich mich jetzt an eine Stelle, an der ein Zeichen zu viel war und das war absolut nicht störend oder hinderlich, von daher kann man darüber auch gut hinwegsehen.

Eine tolle Geschichte, die für meinen Geschmack leider zu langatmig erzählt wurde und mit 200-250 Seiten weniger besser abgeschnitten hätte- nichtsdestotrotz eine weitere tolle Vorlage für eine potentielle Verfilmung. Wirklich empfehlen kann ich das Buch allerdings nur an Krimi-Fans- wer intensivere Spannungsbögen gewohnt ist, wird hier enttäuscht sein.


Kommentare:

  1. Moshi moshi, Nezumi.
    Sanfte Spötter sprechen ja im Zusammenhang von der "Ziegelstein-Manufaktur, John Grisham". Persöhnlich konnte mich sein Ceuvre noch nie zur Lektüre reizen. 'Die Jury' kam mir einzig als Verfilmung unter (fad im Beigeschmack!) & das war es dann schon gewesen.

    Die Story an sich ist bereits aufgeblasen angelegt. Jemand, der den Tod vor Augen hat und geregelte Verhältnisse hinterlaßen möchte, agiert nicht derart melodramatisch wie Seth. Er würde die Testamentsänderung vor Zeugen und beglaubigt aufsetzen - allein schon um seiner Begünstigten den Anlaß für 700 Seiten Roman zu ersparen. Und er würde sich nicht erhängen, weil dies ein Freitod aus absoluter Verzweiflung ist.

    Glaubhafter - aber eben nicht over the top - wäre der Plot angelegt, wenn es um eine nachträgliche Zuwendung an Lettie gegangen wäre, die die Familie hartnäckig anfechtet.

    Lettie hätte sich auch den ganzen Zinnober sparen können und das Erbe ablehnen. Aber dann hätte John Grisham seine 700 Seiten wieder nicht voll bekommen... :-(

    bonté

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    1. Ich kann dir hier nur in jedem Punkt zustimmen. Aber ich denke auch, dass die Rezi gut zeigt, wie wenig begeistert ich bin...

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