Mittwoch, 22. Oktober 2014

[Buch-Rezension] Es wird keine Helden geben

   Es wird keine Helden geben
Anna Seidl
Hardcover: 256 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-7891-4746-3

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Man kann die Angst riechen. Man kann nach ihr greifen. Er ist unter uns. Wir können sie hören, die Schüsse. Sie sind laut. Viel zu laut.
Ein völlig normaler Schultag. Doch kurz nach dem Pausenklingeln fällt der erste Schuss. Die fünfzehnjährige Miriam flüchtet mit ihrer besten Freundin auf das Jungenklo. Als sie sich aus ihrem Versteck herauswagt, findet sie ihren Freund Tobi schwer verletzt am Boden liegen. Doch für Tobi kommt jede Rettung zu spät, und Miriam verliert an diesem Tag nicht nur ihr bislang so unbeschwertes Leben...

Cover/Aufmachung
   Ich weiß nicht, was es ist, das mich an diesem Cover so unheimlich fasziniert. Es ist so simpel, ohne großen Firlefanz. Einfach ein weißes Buch mit rot-schwarzer Schrift darauf. Es ist so unscheinbar, dass es vermutlich im ersten Moment gar nicht auffällt - aber es passt einfach alles. Es ist stimmig. Und ein groß aufgemachtes Cover wäre diesem Buch auch absolut nicht gerecht geworden.

Inhalt/Geschichte
   Es gibt zahlreiche Bücher über das Schicksal, dass die fünfzehnjährige Miriam erleben musste: ein Amoklauf an ihrer Schule. All diese Bücher, Filme und Dokumentationen beschäftigen sich mit dem Erlebnis selbst - doch was danach geschieht, was passiert, wenn die Kameras aus, die Opfer beerdigt sind, das bekommt man selten mit.
  Dieses Buch beschäftigt sich genau damit. Damit, wie Miriam zu einer anderen Person geworden ist, wie ihre Welt sich für immer verändert hat, damit, wie leer und zerstört ihr nun alles vorkommt. Miriam erzählt uns ihre Welt, ihre Empfindungen NACH dem Amoklauf, der ihr Leben zerstört hat.

  Was sagt man zu einer solchen Geschichte? Es ist zwar wohl ein Jugendbuch, doch scheint es mir so unheimlich intensiv, dass ich selbst davon noch ganz betroffen bin. Zwar habe ich keinen Amoklauf er- und überlebt, doch vieles von dem, was die Protagonistin beschreibt, kenne ich von mir selbst - diese Gedanken, nicht mehr zu wollen. Und dabei nicht mal zu wissen, WAS genau man eigentlich nicht mehr will.
  Das Buch hat gerade voll meinen Nerv getroffen - wie das eben manchmal so ist. Und obwohl ich nicht lange am Stück lesen konnte, hat mich dieses Buch doch sehr in Beschlag genommen und hinterlässt einen etwas schalen Nachgeschmack - als hätte man selbst etwas verloren.

  Lediglich das Ende hat mich nicht ganz überzeugt, es kam mir persönlich ein wenig überstürzt.

Charaktere
  Unsere Protagonistin ist natürlich Miriam - fünfzehn Jahre alt, beliebt, eine beste Freundin an ihrer Seite und glücklich vergeben an ihren Freund Tobi. Ein ganz normales, glückliches Mädchen, das es liebt, shoppen zu gehen und jede freie Minute mit ihren Mädels und Tobi verbringt.
  Bis zu diesem Tag.
 An diesem Tag verliert sie alles. Aus dem fröhlichen Mädchen wird eine stille, zu jung gereifte Frau, die sich verkriecht und versucht, zu vergessen, was man nicht vergessen kann.

Es ist unheimlich faszinierend, mit welcher Intensität wir Miriam wahrnehmen können. Das arme Mädchen, mit dem wir mitfühlen, dem wir helfen wollen und gleichzeitig nicht wissen, wie wir das anstellen sollen. Wie hilft man jemandem, der so schlimme Dinge gesehen hat? Wie nimmt man ihr die Trauer? Die Schuldgefühle?
  Miriam ist ein Charakter, den man erleben muss.


Schreibstil/Übersetzung
  Wer es schafft, dass der Leser so sehr beim Lesen mitleidet, kann nur hervorragend gearbeitet haben - umso unglaublicher, wenn man bedenkt, dass Anna Seidl dieses Buch mit nur 16 Jahren geschrieben hat. Vielleicht war es aber auch gerade das junge Alter, dass ihr hier so gut geholfen hat...

  Ein Buch, zu dem man nicht viel sagen kann, denn diese Geschichte sollte jede/r für sich selbst erleben. Aber vorsicht: so gut es ist, so traurig stimmt es einen doch.



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