Donnerstag, 20. November 2014

[Buch-Rezension] Das Haus Komarow

   Das Haus Komarow
Axel Saalbach
Broschiert: 447 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN: 9783943308587

Unzählige Jahre des Krieges lasten auf Deutschland, das nur noch der unbedeutende Teil eines riesigen russisch-europäischen Zarenreichs ist. Technologie ist verschwunden, soziales Leben findet nicht mehr statt und die Bevölkerung leidet. Die Polizeigewalt wird von Söldnern ausgeübt, die im Dienste von Versorgerclans stehen und ihre Macht ausnutzen, um die Menschen zu terrorisieren. Erst als einer dieser Clans, dem Hause Komarow, die Herrschaft über das deutsche Gebiet zugesprochen wird, keimt Hoffnung auf.  Nach dem heimtückischen Mord am Oberhaupt der Familie liegt es an einem einzigen Mann, diese Hoffnung nicht sterben zu lassen...

Cover/Aufmachung
   Das Cover dieses Buches ist recht schlicht gehalten, erinnert an zerkratztes Metall mit dem Wappen aufgedruckt.  Wir bekommen mit dem Cover schon einen guten Einblick in die Trostlosigkeit dieser neuen Welt.

Inhalt/Geschichte
   Im Jahr 2208 gelingt es dem Hause Komarow endlich wieder, die Versorgungshoheit über das deutsche Gebiet zu erlangen - Hoffnung beginnt sich unter dem Volk breit zu machen. Doch dann geschieht es und das Oberhaupt des Hauses - Bravoc Jewgraf - wird ermordet. Angeblich von seinem eigenen Sohn Anatol/Tolja.  Dieser ergreift sofort die Flucht und lebt nunmehr in einer kleinen Ortschaft und schlägt sich dort mit illegalen Jobs durch.
  Nach und nach wird aber immer offensichtlicher, dass Anatol unbedingt zurück muss nach Berlin, um dort alles wieder ins rechte Licht zu rücken - denn nicht nur ist Anatol nicht der Mörder seines eigenen Vaters; nein, er hat auch die Pläne besorgt, die dafür gesorgt haben, dass seine Familie in diesem Jahr die Versorgungshoheit bekam.
  Doch der Weg nach Berlin und noch viel mehr der Weg zur Gerechtigkeit ist mehr als steinig und Anatol kann jede Hilfe brauchen, die er bekommen kann...

  Eine wundervolle Idee, die uns Axel Saalbach hier präsentiert. Wir haben hier eine untypische Dystopie vorliegen, die sich anders als andere nicht mit übermäßig fantasiereichen Schreckensbildern schmückt sondern durchaus im Bereich der Realität liegt.
  Dennoch muss ich leider sagen, dass mich doch ein, zwei Dinge sehr an der Geschichte gestört haben. Mir persönlich erschien es, als sei sie nicht immer ganz durchdacht gewesen und als wären bestimmte Passagen nur eingebaut worden, um die Zeit ein wenig zu strecken. Hier hat man sich dann noch an Charakteren bedient, die man, als sie ausgedient hatten, eben "entsorgt" hat, was ich schade fand, denn es hätte hierfür durchaus andere Lösungen geben können. 
  Unser Protagonist stolperte ja quasi von einer Falle/Gefahr in die nächste und konnte sich nur durch so unglaublich viele Zufälle retten, dass mir persönlich der Ablauf der Geschichte einfach zu konstruiert und gezwungen wirkte.
  Gegen Ende ist das deutlich besser geworden und trotz dieser Mängel war das Buch gut und ist auch sicher gute Lektüre zum "Zwischenreinlesen".


Charaktere
  An diesem Punkt tu ich mir jetzt wirklich wirklich schwer, denn ich habe ein ganz großes Problem: Ich mag Anatol nicht. Leider kann ich nicht mal genau erklären, woran es liegt, aber ich habe einfach eine unheimliche Antipathie ihm gegenüber entwickelt. Er wirkte auf mich leider sehr willenlos, als würde er sich von jedem zu allem überreden lassen. Sehr schade denn auch das hat mir leider den Lesespaß geraubt.
  Die Charaktere sind alle ähnlich oberflächlich gestrickt und für meinen Geschmack hätte hier die Qualität auch über die Quantität siegen sollen, nicht anders herum.
  Wen ich wirklich mochte, war - wer hätte es gedacht - Diesel. Wie habe ich immer gebangt und mir insgeheim gesagt "Wenn der Hund stirbt, leg ich das Buch weg!" ;)

Schreibstil/Übersetzung
  Wo ich bei den letzten beiden Punkten recht viel "gemeckert" habe, kann ich Axel Saalbach hier nur loben - das Buch ist toll geschrieben! Lebhaft, so dass man sich jederzeit in der Situation wiederfindern kann und die Umgebung im Kopf so plastisch vor sich sieht, als würde man selbst neben Anatol stehen. Großes Lob an dieser Stelle!

Obwohl ich hier nicht allzu viel Gutes über das Buch geschrieben habe, ist es dennoch ein Buch, von dem ich nicht abraten würde. Es ist toll, um es als Zwischenbuch zu lesen und/oder als Lektüre für Bus- und Bahnfahrten. Wer allerdings ein Fan von klassischen Dystopien ist, wird hier nicht finden, was er sucht.
  Dennoch möchte ich euch sagen, dass es kein Fehler ist, dieses Buch zu besitzen und zu lesen.

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