Samstag, 21. Februar 2015

[Buch-Rezension] Der Sarg

   Der Sarg
Arno Strobel
Taschenbuch: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Fischer
ISBN: 9783596191024
Preis: 9,99€

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"Sie konnte nicht einordnen, was diese Schwärze zu bedeuten hatte. Aber sie war überall. Und es gab keinen Ausweg."

Köln wird durch eineReihe fürchterlicher Verbrechen erschüttert. Jemand entführt mehrere Frauen und begräbt sie bei lebendigem Leib. Der Täter spielt der Polizei Hinweise zu, doch wenn ein Grab gefunden wird, ist die Frau darin bereits tot.
Erstickt.
Zur gleichen Zeit hat Eva einen immer wiederkehrenden Traum. Sie weiß nicht, wie sie in den Sarg hineingekommen ist, und später nicht mehr, wie sie ihn wieder verlassen hat.Doch irgendwann ist es vorbei, sie ist frei, liegt in ihrem Bett. Und bemerkt die Blutergüsse und Kratzspuren an Händen, Armen und Beinen...

Cover/Aufmachung
   Bedrückend. Das erste Wort, das mir zu diesem Cover einfällt, ist bedrückend. Und ich denke, mehr gibt es nicht dazu zu sagen, denn dieses Wort allein beschreibt es schon so gut: dieses Gefühl, dass mich beim Betrachten des Covers beschleicht, vor allem, nachdem ich die Geschichte gelesen habe.
  Wundervoll ausgesucht und so herrlich passend zu den anderen Büchern von Arno, die komplett im Regal stehen.

Inhalt/Geschichte



  Eva Rossbach ist alleinstehende Vorsitzende einer erfolgreichen Firma, deren Leitung sie jedoch an Herrn Wiebking übertragen hat. Das läuft hervorragend für Sie und die Firma. Ihr Leben läuft wie gewohnt, bis eines Tages ihre Halbschwester Inge tot aufgefunden wird. Sie wurde lebendig begraben und ist erstickt. Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf und wird tiefer verstrickt in die Ereignisse um Evas Familie herum. Und hinter den grausamen Morden entdeckt das Polizeiduo Menkhoff und Reihöfer ein mindestens ebenso grausames Familiendrama und das diese beiden Dinge eng miteinander verstrickt sind. Und letztlich auch, welche Rolle der Sarg spielt.

    Uff. Wo fange ich an? Zunächst einmal: Ich habe das Buch leider schon vor Seite 100 durchschaut gehabt. Die Vermutung hatte ich schon, als Arno bei der Lesung ein wenig was dazu gesagt hatte. Daher war die Auflösung nicht soo überraschend für mich und dennoch konnte dieses Buch mich so unheimlich fesseln. Kaum dass die Klausuren vorrüber und das Fieber weit genug gesunken war, um ein Buch halten zu können, habe ich es aufgeschlagen und gelesen.
  Was mir  ganz ganz furchtbar wichtig ist: ich spreche hiermit eine deutliche, ernst gemeinte Trigger-Warnung aus. Mehr zu verraten, in welche Richtung dieser Trigger geht, wäre ein gemeiner Spoiler, deswegen packe ich das - als Spoiler zum Aufklappen - ganz ans Ende.

  Arno Strobel hat sich in diesem Buch einem Thema gewidmet, dass mich selbst persönlich betroffen macht - ein Grund mehr, warum ich das Buch nicht mehr zur Seite legen konnte. Er hat hier eine Geschichte geschaffen, die uns als Leser so in ihren Bann zieht, dass es kaum möglich ist, nicht gefesselt zu sein. Hat man es dann innerhalb einer gefühlten halben Stunde durch die fast 400 Seiten geschafft, wird man mit gemischen Gefühlen zurückgelassen. Die erzählte Geschichte lässt uns betroffen zurück mit dem Wunsch, dass es etwas wie die in dieser Geschichte niedergeschriebenen Grausamkeiten nur in der Fantasie der Autors gibt. Und gleichzeitig mit dem Wissen, dass es Realität hätte sein können. Vermutlich tägliche Realität ist.
   Was bleibt also noch zu sagen? Zu einer Geschichte, die in ihrer Spannung und Grausamkeit so fesselnd sein kann? Für mich reiht sich dieses Werk nahtlos in die anderen Bücher, die ich von Arno Strobel schon lesen durfte, ein. Ebenso spannend und fesselnd, ein wahrer Pageturner, bei dem ein Grauen auf das andere folgt und uns rastlos und rätselnd zurück lässt, bis die Lösung des Rätsels offenbart wird, was vermutlich nicht bei jedem so früh geschehen wird, wie bei mir.


Charaktere
  Es ist schwer, hier etwas zu schreiben, ohne euch zu spoilern ;) Deswegen gehe ich auch nicht weiter auf die Charaktere im Einzelnen ein.
   Nur so viel: Arno hat es geschafft, seine Charaktere tiefgründig und vielschichtig darzustellen und seiner Protagonistin einen glaubwürdigen Hintergrund zu verschaffen. Gerade was Eva betrifft tauchen wir tief ein in ihre Vergangenheit und Psyche ein und bekommen so einen wunderbar dreidimensionalen Charakter, den zu durchschauen einige Zeit in Anspruch nehmen sollte.

Schreibstil/Übersetzung
   Auch in Punkto Schreibstil bietet das Buch genau das, was man von Arno Strobel gewohnt ist: packende Texte, Kapitel in angemessener Länge und ab und an kleinere Cliffhanger, die gekonnt gesetzt verhindern, dass wir das Buch zur Seite lesen. Zwar haben sich hier und da ein, zwei kleinere Tippfehler eingeschlichen, doch diese sind nebensächlich und stören den Lesefluss nicht im Geringsten.



   Eine fesselnde Geschichte, die es problemlos mit den anderen Strobelschen Büchern aufnehmen kann. Für mich persönlich recht leicht zu durchschauen, was aber überhaupt nichts zu heißen hat.
  Tolles Buch und eine absolute Leseempfehlung für alle Thriller-Fans, trotz besagter Trigger-Warnung.




Bist du sicher, dass du das lesen und dich damit spoilern und evtl. triggern möchtest?
Das Buch befasst sich intensiv mit Kindesmissbrauch und einer der möglichen psychischen Folgeerscheinungen. Wegen deutlich beschriebener Flashbacks durchaus Trigger-Potential.



Kommentare:

  1. Hallo Michelle,

    eine tolle Rezi, die absolut neugierig auf das Buch macht und ich glaube, das ich es im März vom SUB befreien sollte!

    Ganz liebe Grüße, drück dich
    Uwe

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    1. Das solltest du auf jeden Fall, lieber Uwe! Der SuB ist ein unwürdiger Platz für ein so tolles Werl :-)

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  2. Moshi-moshi, Nezumi.
    Der Mensch muß nicht an Klaustrophobie leiden, um sich den schieren Terror einer solchen Situation vorstellen zu können. Zwar nur im Ansatz, aber bereits das reicht. Eine ordentliche Schippe drauflegen kann man/frau allerdings mit dem Film 'Buried'...

    Die Idee eines Thrillers früh zu erahnen, muß nichts über dessen Qualitäten aussagen. Denn wenn alle anderen Elemente die Lektüre emsig vorantreiben, kann der Rest nur passen. Ich vergleiche das für mich immer gern mit einem guten Film, den ich dennoch mehr als nur einmal genießen kann. Der Plot ist bekannt - und dennoch! :-
    Bei der Lektüre Deiner Zusammenfaßung ist mir eine Figur förmlich ins Auge gesprungen...!

    Im Grunde könnte sich Arno Strobel Deine Eindrücke rahmen laßen & an die Wand hängen; etwas Besseres kann ein Autor von seinen Lesern nicht zugestanden bekommen.

    Anmerkenswert, daß er sich mit Eva Rossbach die Vorsitzenden einer Firma gewählt hat. Vorbildlich in einer Geschäftswelt deren leitende Herren zu mehr Gleichwertung per Gesetz geprügelt werden müssen. Und selbst darüber können die Nadelstreifen noch medienwirksam greinen.

    Klausuren erledigt, das Fieber weg - daijobu! :-)

    bonté

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    1. Guten Morgen,
      zweifellos macht eine durchschaute Geschichte dieselbe nicht automatisch schlecht - im Gegenteil, so kann man sich doch auch gern auf die anderen Aspekte konzentrieren.

      Nicht umsonst empfehle ich das Buch sehr gerne weiter :)
      Wünsche einen schönen Sonntag!

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  3. Ich habs vor kurzem auch erst gelesen und die Rezi dazu steht noch aus.
    Danke, dass du mich daran erinnerst hast, dass ich sie noch schreiben muss. Ich glaub, ich setz mich gleich mal dran. :P

    Mel

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    1. Hab ich gern gemacht ;) Bin auf deine Rezi gespannt, vielleicht magst du mir den Link dazu da lassen?

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    2. Huhu,

      da ist endlich die Rezi dazu.

      http://sakuyasblog.blogspot.de/2015/02/rezension-der-sarg.html

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    3. Uhhh da schau ich direkt mal rein ;)

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  4. Jaaaaaaaa!! Ich hatte gehofft, dass dich auch DER SARG begeistern kann! Ich habe dieses Buch auch verschlungen! Eine tolle und authentische Rezi, die mich direkt wieder in die Geschichte gezogen hat!

    Liebe Blubbergrüße
    Anka

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    1. Ja es ist ein wundervolles Buch, das so viel Spaß beim Lesen bereitet hat!
      Und es freut mich, dass ich dich wieder "zurückziehen" konnte zu einer tollen Geschichte, die mich seit der Lesung gereizt hat ;) <3

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