Mittwoch, 29. April 2015

[Buch-Rezension] Engelskalt

   Engelskalt
Samuel Bjørk
Klappenbroschur:  544 Seiten
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Det henger en engel alene i skogen
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 9783442482252
Preis: 12,99€

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Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, das mit einem Springseil an einem Baum aufgehängt wurde und ein Schild um den Hals trägt: „Ich reise allein.“ Kommissar Holger Munch beschließt, sich der Hilfe seiner Kollegin Mia Krüger zu versichern, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen, um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird ...
Quelle

Cover/Aufmachung
    Es ist ein paar Tage her, dass ich so von der Aufmachung und Veredelung eines Covers schwärmen konnte. Die abgebildete weiße Kirche findet sich auch im Buch selbst wieder, doch das Highlight für mich ist die Prägung der einzelnen Stiche auf dem Cover. Das ganze Cover ist ein absoluter Hingucken und das Buch in der Hand zu halten macht unheimlichen Spaß. Wenn ihr also die Gelegenheit habt: Seht euch das Buch genauer an, es lohnt sich.
 
Inhalt/Geschichte

    "Ich reise allein" - mit diesem Schild um den Hals findet Walter Henriksen die Leiche eines kleinen Mädchens beim Spaziergang mit seinem Hund. Fein zurechtgemacht mit Schultasche und Schulbüchern hängt der kleine Körper an einem Baum. Und sie wird nicht die letzte sein. Bald schon steht fest, dass dies ein Fall für Holger Munch und seine Spezialeinheit ist - zu der auch Mia Krüger gehört, die sich jedoch aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hat und sich auf einer kleinen Insel darauf vorbereitet, ihrer Schwester in den Tod zu folgen.
  Als Munch ihr aber von dem Fall berichtet und um ihre Hilfe bittet, gewährt sie Aufschub - immerhin geht es um das Leben von weiteren Kindern...

   Was für ein dichter, atmosphärischer Thriller! Der Autor versteht sich hervorragend darauf, uns auf falsche Fährten zu führen und uns an das Buch zu fesseln. Trotz aktueller Leseflaute wollte ich das Buch spätestens ab dem 5. Teil nicht mehr aus der Hand legen - was ich auch nicht mehr getan und die letzten 120 Seiten in einem Rutsch durchgelesen habe.
  Die Einblicke, die wir in die Gefühlswelt der Protagonisten erhalten, sorgen dafür dass sie uns binnen weniger Seiten ans Herz wachsen. Auch der Umgang mit dem überaus sensiblen Thema Kindesmord erfolgt sensibel und vorsichtig durch den Autor.

   Als Thriller-Fan kennt man das ja gern: Irgendwie war alles schon mal da, wirklich überrascht wird man selten. Was uns hier aber erwartet, ist ein wenig etwas anderes. Uns erwartet kein blutdurstiger Killer - es wirkt alles eher vergleichsweise "sanft", was das alles sehr interessant für mich gestaltet hat. Denn obwohl die Brutalität fehlt, schafft es dieser Thriller auf andere Art, zu schockieren und zu bedrücken. Auf einer tieferen Ebene, denn man kann sich bei der beinahe liebevollen Inszenierung der Kinder schwer mit einem simplen "Das ist ein kranker Mörder" abgeben.

  


Charaktere
   Holger Munch ist Kettenraucher. Er leitet die Sonderkommission in dem Fall der verschwundenen Mädchen. Und zu diesem Fall zieht er Mia Krüger hinzu, um ihre Meinung zu hören.
  Mia selbst ist dabei alles andere als polizeitauglich. Sie hat sich zurückgezogen in ein kleines, einsames Haus und bereitet sich dort nun darauf vor, sich das Leben zu nehmen. Mia bemerkt aber sofort, dass sie in diesem Fall gebraucht wird - also muss ihre Schwester, die sie verloren hat, noch auf sie warten.

  Unglaublich eindrückliche Charaktere, die uns schnell ans Herz wachsen. Wir erfahren viel von den beiden und gerade am Anfang, wenn wir allein mit Mia auf der Insel sind, ist die Stimmung unheimlich berdrückend. Wir können kaum anders, als mit Mia mitzufühlen und die Verzweiflung zu spüren, die auch sie empfinden muss.
   Insgesamt sind die Charaktere unheimlich gut ausgearbeitet, sehr natürlich und wurden mir im Laufe der 544 Seiten fast schon zu guten Freunden.

Schreibstil/Übersetzung
   Zu Beginn, das muss ich gestehen, erschien mir der Schreibstil ein wenig eigenartig - vielleicht ist es das noch immer. Eigenartig. Aber nicht negativ. Das Buch hat sich sehr gut lesen lassen, trotz Leseflaute ;) Wenn ich es in der Hand hatte, hat es mir großen Spaß gemacht und ich habe auch mehrere Kapitel am Stück gelesen.


Ein absolut herausragendes Buch, dass ich jedem Thriller-Fan ans Herz legen kann!



Kommentare:

  1. Senshu banzei fuku wa uchi, Nezumi san.
    Wir kennen ja alle die Binsenweisheit, daß jedes Leben mit jedem Leben verknüpft ist. So besehen weist die Konstelation des Romans auf eine besondere Demension dessen hin, wenn es Mia von ihrem Ansinnen abhält, Suizid zu begehen.
    Allerdings hege ich ein mulmiges Gefühl, so wie Du darauf hindeutest, daß ihre Schwester noch warten muß...und würde diese Schwester nicht umgekehrt wollen, daß Mia weiter lebt!?

    Bei dem Einblick in die Welt des Kindermörders kann ich Dich direkt auf Thomas' Charakterzrichnung des Nathan Blake verweisen...

    bonté

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    1. Nun, um dein mulmiges Gefühl bestätigt oder widerlegt zu bekommen, müsstest du dich der Lektüre natürlich selbst widmen ;) Was absolut zu empfehlen wäre

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  2. Oh mein Gott ich hab mich allein durch das Lesen deiner Rezension so derartig in den Thriller verliebt, dass ich denke das Buch zu lieben noch bevor ich es überhaupt in meiner Hand gehalten habe! Aber selbtverständlich werde ich mich, so bald es mir möglich ist, der Lektüre widmen. Leider hat unsere Bücherei das Buch nicht hier so dass ich noch die Zeit finden muss zur Stadtbiblipthek zu fahren ^^ Naja auf jeden Fall riesen riesen Lob und Dank für deine Rezension und Liebe Grüßee :)))

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    1. Immer wieder gern :)
      Das Buch ist wirklich ein Highlight und mir immernoch in Erinnerung. In GUTER Erinnerung. Also auf jeden Fall lesen und Spaß haben dabei.

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