Montag, 3. August 2015

[Buch-Rezension] Skalpelltanz


   Skalpelltanz
 Jenny Milewski
Klappenbroschur: 400 Seiten
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Skalpelldansen
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453418370
Preis: 12,99€

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Vielen lieben Dank an den Heyne-Verlag für die Zusendung dieses Rezensions-Exemplares

Carl Cederfeldt ist Chirurg. Und Mörder. Sein Instrument ist das Skalpell. Zum Glück ist er kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern der Fantasie des schwedischen Horrorautors Jonas Lerman entsprungen. Aber Leman hat genug von Blut und Gewalt und beschließt, kein weiteres Cederfeldt-Buch mehr zu schreiben. Doch so einfach ist das nicht. Lerman kann mit dem Schreiben nicht aufhören, und in seiner Umgebung geschehen plötzlich mehrere grausame Morde an jungen Mädchen. Präzise und brutal. Genau so, wie Carl Cederfeldt vorgehen würde. Zum Glück ist er kein Mensch aus Fleisch und Blut...

Cover/Aufmachung
    Ein recht schlichtes Cover, das nun auch für einen Thriller nicht unbedingt die Neuentdeckung schlechthin ist. Da allerdings das Buch "Skalpelltanz" im Buch dieses Cover trägt ist der Bezug zum Inhalt da und wertet das Cover auf.
 
Inhalt/Geschichte



  Jonas Lerman ist Autor - genauer gesagt ist er derzeit Schwedens meistgefeierter Horror-Autor, der Meister des Grauens. Und Jonas Lerman hat ein Problem: er kann nicht mehr schreiben. Oder will nicht mehr. Er vertröstet seinen Verleger, gibt in Interviews vage Angaben zum neuen Buch und versucht generell, dem Schreibprozess auszuweichen, wann immer es geht.
  Doch dann kommen sie wieder: Die Bilder von Carl Cederfeldt, seinem Protagonisten und Markenzeichen. Er schreibt alles auf, haargenau bis ins kleinste Detail und ist zufrieden mit sich selbst. Bis er am nächsten Tag erfährt, dass alles, was er geschrieben hat, zeitgleich Realität wurde. Was zunächst wie ein merkwürdiger Zufall anmutet, wird bald mehr als das, denn auch die nächste Szene, die er zu Papier bringt, ereignet sich so.
  Aber wie kann das sein? Carl Cederfeldt ist doch nur ein fiktiver Charakter. Oder nicht?

  Geschickt werden wir zusammen mit Jonas Lerman langsam aber sicher verwirrt - es geschehen so viele Dinge, die eigentlich nicht geschehen können oder dürfen, dass man zu zweifeln beginnt, wer denn nun eigentlich der Mörder ist.
  Leider büßt die Geschichte durch die Handlungen des Protagonisten etwas an Glaubwürdigkeit ein und auch die Erklärung, woher die Inspirationen für Lermans Bücher kommen, ist etwas fadenscheinig.

  Im Großen und Ganzen haben wir hier also eine nette Idee für eine Geschichte, die allerdings ein paar Schwächen aufweist, wenn es darum geht, sie realistisch und nachvollziehbar wirken zu lassen. Die Entscheidungen des Protagonisten erscheinen mir nicht logisch, denn die Entscheidung, zur Polizei zu gehen kommt für mein Empfinden in einer solchen Situation viel zu spät.

  Die Geschichte selbst hat ein angenehmes Tempo, der Spannungsbogen verlief für mich aber irgendwie etwas zu flach, obwohl ständig etwas passierte. Insgesamt erinnert das Buch eher an Splatter, denn an Thriller, denn was an psychologischer Tiefe fehlt, wurde mit dem Einsatz von Blut und Grausamkeit problemlos aufgefüllt.
  Mir persönlich hat das schlichte Gemetzel auf Hintergrund einer mehr oder weniger hinreichend durchdachten Geschichte jedenfalls nicht ausgereicht, um mich vom Hocker zu reißen.


Charaktere
  Jonas Lerman, der Meister des Schreckens, steckt in einer Schaffenskrise. Sein Protagonist Carl Cederfeldt hat sich von ihm abgewandt - wo er vorher die Ideen einfach zugespielt bekam, erreicht ihn jetzt nichts mehr. Gar nichts. Umso überraschter ist er, als es plötzlich wieder geht - und noch mehr, als sich herausstellt, dass sich die Szenerie genau so zugetragen hat. 

  Während man zu Beginn noch Mitleid mit dem Schreiberling, der nicht mehr schreiben kann hat, wird dieses recht schnell gegen Kopfschütteln und Verständnislosigkeit getauscht. Spätestens dann, wenn man realisiert, wie extrem unlogisch sich der Charakter benimmt. Stellenweise war ich wirklich richtig wütend auf den Charakter und seine absolut nicht nachvollziehbaren Handlungen. So sauer, dass ich das Lesen unterbrechen musste, da es mir wirklich den Lesespaß genommen hat, einen Charakter dermaßen unglaubwürdig dargestellt sehen zu müssen. 

  Am Ende des Buches versucht sich die Autorin noch an etwas wie einem  Plot-Twist, der auf mich aber eher wie gewollt und nicht gekonnt gewirkt hat. Das Ende der Entwicklung des Protagonisten wirkt forciert und unlogisch. Schade, denn eigentlich war mit Jonas zu Beginn des Buches wirklich sympathisch

Schreibstil/Übersetzung
   Sehr blutig kommt dieses Buch darher und lässt über das Blutvergießen etwas an Spannung und Content vermissen. Nichts desto trotzt lässt es sich rein vom Schreibstil her gut lesen und auch die gelegentlich vergessenen Buchstaben (jene statt jener) sind nicht weiter störend und hindern kaum bis gar nicht im Lesefluss. 

Ein gutes Buch für Splatterfans. Für Freunde des tiefgehenden Thrillers mit glaubhaften Charakteren aber eher enttäuschend. 


Kommentare:

  1. Moshi moshi, Nezumi.
    Ein in Hysterie schreiendes Opfer und ein klingenschwingender Wahnsinniger reichen nicht unbedingt aus, um im Genre etwas wie Spannung aufzubauen. Da bedarf es schon mehr Können & Wollen. Deinen Worten nach eher die Lektüre für den gepflegten Fünf-Uhr-Tee... ;-)

    Bei den Details zum Inhalt kam mir irgendwie Stevensons Jekyll/Hyde-Sache in den Sinn - wird doch nicht etwa?!

    Gut. Literarisch motivierter Ärger bringt den Kreislauf auf Vorderfrau; und eine gute Blutzirkulation unterstützt den Heilungsverlauf - laienhaft diagnostiziert jetzt. :-)

    bonté

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    1. Laienhaft hatte ich mir eine simple Bänderdehnung diagnostiziert ;) Der Fachmann war da anderer Meinung und meinte, mir stünden drei Narben mehr gut zu Fuße. Wie gut, dass er es schaffte, vor dem Tattoo aufzuhören ;)

      Zu meinem Lieblingsbuch wird dieses wahrlich nicht erkoren werden. Eher wandert es wohl in das angedachte Tauschregal..

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    2. ...würde mich nicht wundern wenn Du den Eingriff des Chirurgen diesbezüglich mit Argusaugen bewacht hättest!
      Schön, daß es Dir besser geht.

      bonté

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  2. Hi Michelle,

    danke für deine schöne Rezi und dank dir, weiß ich jetzt, dass ich das Buch nicht unbedingt lesen möchte. Der Inhalt klingt zwar sehr spannend, aber wenn die Zusammenhänge nur teilweise logisch sind, brauche ich das nicht ;)

    Weiterhin gute Besserung, drück dich <3
    Uwe

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    1. Hallo Uwe <3

      ja jetzt weißt du das ;) Es ist halt einfach eher etwas für die blutrünstigen unter uns :)

      Vielen lieben Dank <3

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