Dienstag, 24. November 2015

[Buch-Rezension] Das Joshua-Profil

   Das Joshua-Profil
Sebastian Fitzek
Hardcover: 430 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Lübbe
ISBN: 9783785725450
Preis: 19,99€

Buch beim Verlag

Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehn, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß... Im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.


Cover/Aufmachung
  Dunkel, bedrückend und bedrohlich kommt das Cover des neuen Fitzek daher. Passend zum Inhalt dazu die abgebildeten Hände, die die sprichwörtlichen Fäden halten. Mit toller Prägung sieht das Cover nicht nur toll aus, sondern fasst sich auch noch schön an.
 

Inhalt/Geschichte
  Max Rhode lebt mit seiner Frau und seiner Pflegetochter Jola zusammen - er ist Schriftsteller, hatte allerdings bisher nur mit seinem ersten Buch großen Erfolg. Auch mit Kim, seiner Frau, läuft es nicht unbedingt rosig. Als Max den Anruf eines im Sterben liegenden Mannes erhält, der unbedingt mit ihm sprechen will, setzt sich eine Kette in Gang, deren Verlauf sich auch Max als Thrillerautor nicht schlimmer hätte vorstellen können. Plötzlich ist sein Leben zu einer der Geschichten worden, mit denen er sein Geld verdient (oder vielmehr: verdienen will). Spätestens als seine Tochter Jola verschwindet und er in Verdacht gerät dafür verantwortlich zu sein, gerät sein Leben aus den Fugen.

  Ich habe begonnen, dieses Buch zu lesen, als ich gerade auf dem Weg zur Lesung von Sebastian Fitzek in Schorndorf war. Voller Spannung und Neugierde, hat mich doch bisher kein Fitzek enttäuscht, wusste ich, dass mich auch diesesmal wieder eine spannende Geschichte erwartet. Auch Fitzek selbst hat diese Neugierde an dem Abend durch die Lesung nochmals verstärkt - und meine Sorgen ausgelöscht, dass man eventuell zuerst "die Blutschule" seines Alter Ego Max Rhode gelesen haben sollte.
  An dieser Stelle von mir: Ich glaube tatsächlich, dass es sinnvoll ist, "die Blutschule" zuerst zu lesen, denn einiges dieses Buches wird im Joshua-Profil gespoilert, so dass mir die Lust auf das (Hör-)Buch jetzt ein wenig vergangen ist. Das aber nur vorweg.

  Zum Buch selbst: Fitzek liefert in gewohnter Manier eine rasante, spannende Geschichte. Dennoch ist "Das Joshua-Profil" für mich definitiv eines der schwächeren Fitzek-Bücher. Die Geschichte ist zwar spannend (nicht zuletzt durch den Erzählstil), dennoch aber an vielen Stellen vorhersehbar und stark konstruiert. Natürlich ist es ein schmaler Grad zwischen dem, was wir als realistisch erachten würden und einem übermäßig konstruiert wirkenden Handlungsablauf - manchmal ist weniger aber einfach mehr.

  Die große Stärke des Buches liegt, neben seinen Charakteren, ganz eindeutig in den behandelten Themen - Voratsdatenspeicherung, PredictivePolicing und Pädophilie sind Themen, die uns heute mehr den je beschäftigen. Hierzu ist auch der Anhang sehr lesenswert, der das ganze Buch nochmal neu beleuchtet und zumindest mich mit sehr gemischten Gefühlen zurück lässt.


Charaktere
  Unser Hauptcharakter ist Max. Max Rhode, erfolgloser Schriftsteller, in einer zum Scheitern verurteilten Ehe gefangen und Vater der kleinen Jola, die er und seine Frau Kim als Kleinkind zu sich nahmen. Seine kleine Jola, die Max' ein und alles ist und die eines Tages mehr oder minder spurlos verschwindet. An diesem Tag zeigt sich dann aber auch, dass Jola alles bedeutet für Max, der sich - ungeachtet der Gefahren für ihn selbst - auf die Suche nach seiner Tochter macht.

  Tatsächlich habe ich ein Problem mit Max. Ich kann es gar nicht so genau benennen (jedenfalls nicht, ohne euch zu spoilern), aber "etwas" an ihm stört mich doch extrem. Etwas durchaus menschliches, natürliches, dennoch ist es mir negativ aufgefallen. Max war mir von Beginn an "zu glatt". Und obwohl ich eine ganz persönliche, tiefgreifende Abneigung gegen Cosmo habe, war er der für mich "angenehmere" Charakter - auch hier empfehle ich bitte einen Blick in den Anhang des Werkes, denn auch der werte Herr Fitzek hat sich hierzu geäußert.

Schreibstil/Übersetzung
  Nur wo Fitzek drauf steht, ist auch Fitzek drin! Auch bei "Das Joshua-Profil" überzeugt der Thrillerautor mit dem von ihm gewohnten Schreibstil - dennoch empfinde ich die Cliffhanger in diesem Buch nicht ganz so extrem, wie in manch einem anderen seiner Werke.


  Insgesamt ein tolles, lesenswertes Buch und mit Sicherheit auch ein recht guter Einstieg für (künftige) Fitzek-Fans. Trotz interessanter, aktueller Thematik für mich selbst dennoch leider eines der (gemessen an seinen anderen Werken) schlechteren Fitzek-Bücher.

Kommentare:

  1. Hey,
    deine Rezension gefällt mir wirklich gut. Und ich finde du hast es sehr gut hinbekommen Max zu beschreiben, ohne zu spoilern aber trotzdem die "Antipathie" zu transportieren. Ein bisschen muss ich da an die bisherigen männlichen Hauptcharaktere denken.

    "Die Blutschule" werde ich nicht lesen. Das Buch wirkt für mich zu blutrünstig :-). Ich stehe überhaupt nicht auf Horrorbücher und finde es gerade bei vielen Fitzek-Büchern toll, dass der Autor auf das Kopfkino seiner Leser setzt. Das ist mir besonders beim "Seelenbrecher" aufgefallen.

    Allerdings muss ich sagen, dass mich die letzten Fitzek-Bücher schon nicht ganz packen konnten. Die Grundideen fand ich zwar oft sehr gelungen und auch wirklich interessant. Hier und da waren sie mir aber zu wenig ausgebaut bzw. hätte ich mir eine andere Auflösung gewünscht. Oft ertappte ich mich bei der Frage: "War das wirklich alles?"

    Sehr spannend finde ich jedenfalls, dass Sebastian Fitzek das Thema Kindesmissbrauch offenbar sehr beschäftigt. Das hat ja auch schon im Roman "Das Kind" eine Rolle gespielt.

    Ich denke, ich werde mir das "Joshua Profil" sicher irgendwann durchlesen, aber es wird erstmal eine Zeit brauchen... :-)

    vielen Dank jedenfalls für deine Rezension.
    viele Grüße
    Emma

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    1. Hallo Emma,

      danke für deinen lieben Kommentar <3 Ich freue mich natürlich sehr darüber!

      Ich muss dir tatsächlich (leider) recht geben. Vergleichtman die Bücher des Herrn Fitzek untereinander (!), so schneiden die letzten Bücher leider etwas weniger gut ab als die früheren. So zumindest in meinem Empfinden - wobei wir natürlich immernoch tolle, spannende Bücher haben, aber es ist wohl unsere Erwartungshaltung an einen Fitzek, die gestiegen ist.

      Und ja, Kindesmissbrauch ist tatsächlich ein großes Thema für Herrn Fitzek.
      Schau dir das Joshua-Profil ruhig mal an - etwas Schlechtes schaust du dir da nicht an ;)

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  2. Hallo Michelle :)

    ich war von dem Buch wohl etwas begeisterter, als du. Aber es steht ja auch auf keinem Blatt geschrieben, dass Geschmäcker nicht verschieden sein dürfen.

    Ich fand, dass er sein Hauptthema sehr gut mit der Geschichte umgesetzt hat. Und das Buch im Buch (Blutschule) fand ich auch cool. Ich hab es so zumindest noch nicht bei anderen Autoren gesehen. Es wurde zwar schon oft über erfolglose Schriftsteller geschrieben. Aber dass man deren Erstling dann auch noch richtig in der Hand halten durfte, das gab es wohl noch nicht.

    Mit den Cliffhangern muss ich dir allerdings Recht geben. Die hätten oft auch noch schlimmer sein dürfen. Mir hat es zwar an Spannung nicht gefehlt. Aber die Spannung kam für mich eher aus der Geschichte im Ganzen, statt aus dem Cliffhanger am Ende der Kapitel.

    Schreibst du eigentlich noch einen Extrabericht zur Lesung? Du hattest die Lesung ja schon kurz in deinem "5 Dinge" Post erwähnt. Aber natürlich bin ich schon gespannt, ob du den Abend (in Schorndorf) so toll fandest, wie ich den Abend (in Dresden).

    Liebe Grüße
    Martin
    buchwellenreiter.blogspot.de

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    1. Hallo Martin!

      Danke für deinen Kommentar :) Also vorab: Ich fand das Buch ja nicht schlecht. Überhaupt nicht, aber verglichten mit anderen Fitzekschen Büchern fand ich es doch nicht so gut gelungen. Verstehst du, was ich meine?

      ICh finde auch das "Buch im Buch" wirklich gut und auch, dass "Die Blutschule" dann auch wirklich "richtig" veröffentlicht wurde. Was mich gestört hat, war lediglich, dass das Buch gespoilert wird. Das fand ich schade, denn das hätte man anders lösen können.

      Einen Lesungsbericht werde ich wohl nicht schreiben - ich bin für Berichte dieser Art leider vollkommen unbegabt und kann die Erlebnisse dieser Momente leider gar nicht wieder geben ^^"

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  3. Hallo! :)
    Ich finde es absolut klasse, dass deine Rezensionen so lang ausfallen, denn ich finde solche Kategorien wie "Charaktere" und "Schreibstil" immer ziemlich interessant. Denn es ist doch wichtig, ob man sich mit den handelnden Personen identifizieren kann oder nicht.
    Ich mag Fitzek übrigens auch sehr gerne. Besonders empfehlenswert sind "Der Nachtwandler" und die "Augen"-Thriller.

    Liebe Grüße & weiterhin viel Erfolg! :)
    - Peter
    http://petersbuecherkiste.blogspot.com/

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    1. Vielen lieben dank für das Kompliment :) Und ja, du hast auf jeden Fall Recht mit den empfohlenen Büchern :)

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