Mittwoch, 18. Januar 2017

[Buch-Rezension] Camp 21

   Camp 21 - Grenzenlos Gefangen
Rainer Wekwerth
Hardcover: 352 Seiten
Verlag: Arena
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-401-60177-9
Preis: 16,99€

Vielen Dank, lieber  Rainer. Du hast mir eine große Freude gemacht.

Mike und Kayla sind in Camp 21 gelandet. Sie kennen sich kaumund mögen sich noch weniger. Durch elektronische Armbänder aneinander gefesselt, ist es ihnen unmöglich, sich aus dem Weg zu gehen. Entfernen sie sich zu weit voneinander, empfangen sie über die Fessel quälende Schmerzimpulse. Während Kayla versucht mit der Situation zurechtzukommen, ahnt Mike, dass im Camp etwas nicht stimmt. Nach einem tödlichen Vorfall gelingt den beiden die Flucht. Doch dies ist erst der Anfang einer atemberaubenden Jagd, denn die Fesseln, die geheimen Experimente und die Liebe zueinander bilden für Mike und Kayla ein gefährliches Netz, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
(Quelle)

Cover/Aufmachung
  Ich mag veredelte Cover - ob Folie, Lack, Prägung, ganz egal. Bei Camp 21 ist die Veredelung hervorragen gelungen, auch das Gittermuster  im Titel ist großartig gewählt. Die rote "Verbindung" zwischen den beiden Armbändern der Jugendlichten sticht heraus und gefällt mir damit wirklich gut. Schade nur, dass die beiden Armbänder so unterschiedlich aussehen.

Inhalt/Geschichte
   Mike hat Mist gebaut. So zumindest sehen das die Polizei, sein Vater und das Gericht. Die Wahl ist eine simple: Jugendknast oder Erziehungscamp. Und so ziehen Mike und sein Bruder Ricky um. Zumindest ist das der Plan, doch letztlich wird Ricky in "Isolationshaft" gesteckt. Mike versucht, seinen Bruder zu finden und erfährt hierbei von Camp21. Für ihn steht fest: Da muss er hin, um Ricky zu helfen! Doch dort angekommen entwickelt sich alles ein wenig anders als geplant... 
 
Für viele ein reines Fantasiekonstrukt reizt mich an diesem Buch insbesondere der Gedanke, dass der Blick ein wenig auf die vielen Bootcamps (meines Wissens nach vorzugsweise in den USA) gelenkt wird. Obgleich mit Sicherheit nicht alle Camps so sind, gibt es immer auch schwarze Schafe in denen Isolationshaft noch eine der milderen Strafen ist. Vor einem realistischen Setting spielt sich also eine - möglicherweise? - futuristische Geschichte ab.

Tatsächlich hat mich an diesem Buch die Liebesgeschichte doch eher gestört. Das ist mein großer Kritikpunkt. Dass sich da etwas zwischen Mike und unserer Protagonistin Kayla anbahnt, war klar, dennoch erscheint mir das alles ein wenig... gezwungen. So hätte ich mir einen Zusammenhang zu den Fesseln gewünscht, denn das schien mir als die logischste Auflösung. Ebenso war mir die "Rivalenauflösung" etwas zu simpel, wenn ich bedenke, in wie vielen Szenen sie eine Rolle gespielt haben.
  So viel zur etwas harscheren Kritik.

Ich habe dieses Buch recht schnell ausgelesen gehabt, was nicht zuletzt an der interessanten Geschichte lag, die sich meiner Meinung nach aber doch ein wenig vom Klappentext unterscheidet. Entsprechend habe ich auf Ereignisse im Verlauf der Geschichte gewartet, die in dieser Form erst kurz vor dem Ende des Buches geschehen. Unter anderen Umständen wäre die Spannungskurve dementsprechend wohl auch etwas steiler für mich ausgefallen. Nichts desto trotz verlief die Geschichte in einem angenehmen Tempo und gerade gegen Ende hin haben sich die Seiten irgendwie doch immer schneller umgeblättert.
  In diesem Buch gab es auch einen der wenigen Epiloge, die ich wirklich passend fand und die noch gut zur Geschichte beigetragen haben.
 
Charaktere
Zunächst lernen wir Mike und seinen Bruder Ricky kennen - die mit dem "ausgeliehenen" Auto ihres Vaters unterwegs sind. Kayla tritt erst später auf die Bühne, als sie eine Nachricht von ihrem alten Jugendfreund bekommt. Und obwohl Mike mir die ganze Geschichte hindurch deutlich sympathischer war als Kayla, macht sie doch die größere Veränderung durch - wortwörtlich.
   Im Laufe des Buches lernen wir einige Charaktere kennen, von denen viele allerdings recht schnell wieder verschwinden und schlicht keine große Rolle einnehmen. Das Hauptaugenmerkt liegt natürlich auf den Protagonisten, dennoch hat mir an ein paar Stellen die eine oder andere Ecke gefehlt.




Schreibstil/Übersetzung
Wieder einmal überzeugt der werte Herr Wekwerth mit seinem Schreibstil. Der Mann versteht sein Handwerk. Eindrucksvoll bebildert schildert er das Schicksal der beiden Jugendlichen, gibt uns Lesern die Möglichkeit, in deren Gefühls- und Gedankenwelt hinein zu sehen. Der Kinofilm im Kopf läuft fehlerfrei und ohne Stolpern. Kurzum: Rainer Wekwerth liefert ab, wie gewohnt. 

Ein paar Kritikpunkte für mich tun dem insgesamt tollen Leseerlebnis keinerlei Abbruch. Definitiv lesenswert!

Donnerstag, 12. Januar 2017

[Buch-Rezension] Die Schatten von London

   Die Schatten von London
 Maureen Johnson
Klappenbroschur: 512 Seiten
Verlag: cbt (randomhouse)
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Name of the Star
ISBN: 978357030938
Preis: 13,99€

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Der Tag von Rorys Ankunft im altehrwürdigen Internat Wexford ist gleichzeitig der Tag, an dem eine Mordserie beginnt, die ganz London in Atem hält. Jack the Ripper ist zurück, oder vielmehr jemand, der exakt die Taten des Serienmörders kopiert. Unter den Augen der an den Bildschirmen mitzitternden Londoner Bevölkerung tötet der Ripper trotz Überwachungskameras und observierenden Hubschraubern weiter – und lässt die Polizei alt aussehen, so ganz ohne Zeugen. Was keiner weiß: Eine einzige Zeugin gibt es – Rory. Die junge Amerikanerin ist die Einzige, die den Mörder gesehen hat. Womöglich auch die Einzige, die ihn sehen kann? Und plötzlich ist der Ripper hinter Rory her ...
(Quelle)


Cover/Aufmachung
  Ein Cover, dass mich nur bedingt mitreißen kann. Obwohl es schön gestaltet ist und auch der Bezug zur Geschichte ganz klar ersichtlich ist, ist diesess Cover keines, das mich im Buchhandel meines Vertrauens angesprungen hätte. 


Inhalt/Geschichte


   Wexford. Hier soll Aurora - Rory genannt - für die kommenden Monate zuhause sein, hier soll sie leben, lernen - und hier soll ein unmenschlicher Schrecken auf sie lauern. Die Rückkehr des Rippers hält ganz London in Atem. Niemand weiß, wer diese schrecklichen Morde begeht - und das, obwohl sie vor laufender Kamera geschehen. Doch nichts und niemand scheint fähig, den Ripper zu entdecken - bis Rory ihn sieht. Und damit zur einzigen Zeugin der Verbrechen wird. Doch dieses Wissen birgt Gefahren denn nun ist der Ripper hinter ihr her...

  Das Buch zog über Umwege bei mir ein. Ich hatte schon mehrfach davon gehört, habe es auch das ein oder andere Mal empfohlen bekommen. Dennoch durfte es nie einziehen - bis es Teil meines Weihnachtswichtelgeschenkes war (liebe Grüße an dich, Anna und vielen lieben Dank nochmal!). Tatsächlich habe ich das Lesen (und Bloggen) in den letzten Monaten sträflich vernachlässigt und so kam mir diese Geschichte ganz gelegen.
   Die Geschichte um Rory und den Ripper ist der Beginn der "Schatten von Lodon" Reihe, kann aber auch für sich allein stehen und ist damit nicht ausschließlich für diejenigen unter uns Lesern gedacht, die sich auf Reihen fokusieren. 

Die Geschichte beginnt zunächst recht  ruhig, nimmt aber immer mehr an Fahrt auf. Je höher die Seitenzahl, desto schneller vergingen die Kapitel. Obwohl ich bei diesem Buch niemals befürchten musste, die Welt um mich herum zu vergessen, gelang es ihm doch, mir die ein oder andere Stunde (vorwiegend nachts...) zu rauben. Ein Kapitel geht ja immer noch... 

Atmosphärisch und in einem wunderschönen, passenden Setting erzählt die Autorin hier eine Kriminalgeschichte neuerer Art. Ein altbekanntes Verbrechen mit neuer Täterschaft, neuen Ermittlern und neuen "Waffen".
  Insgesamt kann ich vermerken, dass sich die Geschichte gut lesen lässt und insbesondere aber nicht nur ihrer Zielgruppe Freude schenken dürfte, mir aber das finale Fünkchen gefehlt hat. 

Charaktere
Wenn man in ein Internat zieht, hat man sehr bald keine Geheimnisse mehr - das lernt auch Rory recht schnell, als sie nach Wexford zieht. Wir als Leser lernen Rory nach und nach kennen, erfahren über ihre Heimat, ihre Eltern, ihre Vorlieben. Wir sind bei ihr an ihrem ersten Tag in Wexford, in der ersten Sportstunde, beim ersten Essen. Wie alle anderen auch lernen wir Rory in den ersten Internatstagen gut kennen.
  Und ich muss sagen, ich mag sie. Obwohl ich an der ein oder anderen  Stelle die Hände über dem Kopf hätte zusammenschlagen können - man selbst hätte es natürlich vollkommen anders gemacht! -  hatte ich nie das Gefühl, Rory sei mir fremd. So findet man als Leser nicht nur gut in den Charakter, sondern auch ich die Geschichte des Buches und kann sich leicht mitreißen lassen.



Schreibstil/Übersetzung


  Die Ich-Perspektive lädt natürlich bei einer solchen Geschichte ein, sich in diese zu versinken und fallen zu lassen. So auch hier und das mit Erfolg. An der ein oder anderen Stelle sind mir fehlende Buchstaben untergekommen, über die ich zwar kurz gestolpert bin, die aber meinen Lesefluss nicht nennenswert gestört hätten.





Ein schönes Leseerlebnis und interessanter Reihenauftakt. Gerade auch für Jugendliche geeignet.